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nä 09/2017
aktualisiert am: 15.09.2017

 

  Qualitätsmanagement

280 Hochrisikogeburten jährlich

Niedersächsisches Nachuntersuchungsprojekt kleinster Frühgeborener evaluiert Überleben und Entwicklung der Kinder


 


Neonatologen in Niedersachsen haben zusammen mit dem Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ) bereits im Jahr 2004 das Niedersächsische Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekt, eine landesweite Nachuntersuchung von Frühgeborenen mit einem Gestationsalter unter 28 Schwangerschaftswochen (SSW) initiiert. Ziel des Projekts ist es, Aussagen zum überleben und zur Entwicklung der Kinder zu treffen. Durch Auswahl geeigneter Untersuchungszeitpunkte (im Alter von sechs Monaten, zwei, fünf und zehn Jahren) können rechtzeitig vor dem Kindergarten- und Schulbesuch Entwicklungsdefizite erkannt und relevante Therapien initiiert werden.

Projektbeteiligung


Pro Jahr werden in Niedersachsen etwa 280 dieser "Hochrisikokinder" geboren. Der Untersuchungszeitraum der ersten sieben Jahrgänge (Oktober 2004 bis September 2011) umfasst 1.798 dieser Kinder (Gestationsalter < 28 SSW), von denen 1.400 (77 Prozent) überlebten. Von den überlebenden konnten 1.063 Kinder (76 Prozent) mit sechs Monaten, 952 (68 Prozent) mit zwei Jahren und 746 (53 Prozent) mit fünf Jahren sowie mehr als 200 (14 Prozent) Kinder mit zehn Jahren nachuntersucht werden.

Entwicklung im Alter von 5 Jahren


Behinderungen und Beeinträchtigungen in den Bereichen Kognition, Sprache, Verhalten und Motorik sind bei den fünfjährigen nachuntersuchten Kindern sehr häufig. Bezogen auf die psychologische Gesamtbeurteilung haben nahezu 40 Prozent (n = 259) der Kinder einen Therapie- oder Förderungsbedarf. Der Anteil von geistig behinderten Kindern (IQ < 70) ist mit 16 Prozent (n=107) bei diesen kleinsten Frühgeborenen sehr hoch. Auf Basis der Child Behavior Checklist - CBCL/4-18 (Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen) zeigen 18 Prozent (n=106) der nachuntersuchten Kinder Verhaltensauffälligkeiten und 13,7 Prozent (n=80) liegen am Grenzbereich zur Auffälligkeit (vgl. Grafik).

Ein wichtiges Ziel des Projekts liegt in der Ableitung von Therapieempfehlungen


über den Untersuchungszeitraum der ersten sieben Jahre betrachtet, erhielten 361 Kinder im Alter von fünf Jahren (48,5 Prozent) Heilmitteltherapien und/oder Frühförderung. Von den 436 Kindern mit Sprachentwicklungs- sowie Verhaltensauffälligkeiten erhielten 44,7 Prozent (n=195) Ergotherapie, 36,5 Prozent (n=159) Physiotherapie und 46,1 Prozent (n=201) Logopädie.

Eine weitere Maßnahme zur Entwicklungsförderung ist mit dem Angebot von Elternschulungen geplant. Ab dem Jahr 2018 werden in Niedersachsen flächendeckend Elternkurse in Sozialpädiatrischen Zentren nach dem Modell des Elternprogramms FILU-F (Feinfühlige Interaktionsgestaltung und Gestaltung adaptiver Lerngelegenheiten in der Familie - Frühgeborenen-Modul) angeboten. Im Rahmen dieser Intervention werden den Eltern konkrete Strategien zur Unterstützung der Selbstregulation ihrer Kinder vermittelt.

Verfasser/in:
Frauke Mennenga, M.A.
Qualitätssicherung, ZQ




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