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aktualisiert am: 15.09.2017

 

  Politik

Ärztliche Selbstverwaltung zur Ansicht

Iranische Ärztekammer-Delegation zu Besuch in Hannover


 

Am 10. August besuchte auf Empfehlung der Repräsentantin des Landes Niedersachsen im Iran, Kamelia Karimi, eine Delegation der Iranischen Ärztekammer die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), angeführt vom ihrem Präsidenten, Dr. med. Alireza Zali.

ÄKN-Ehrenpräsident Professor Dr. Heyo Eckel und Hauptgeschäftsführer Professor Dr. Nils R. Frühauf nahmen die Gäste im Ärztehaus Hannover in Empfang und stellten ihnen Struktur und Aufgabenstellung der ÄKN vor. Die iranischen Gäste kamen durchaus mit Vorkenntnissen über das bundesdeutsche Gesundheitssystem, waren sie doch bereits im März 2016 Gäste der Bundesärztekammer in Berlin und von deren Präsident Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery.

Vor dem Hintergrund der "Ahnengalerie" (mit ölgemälden der vormaligen Präsidenten) im Sitzungszimmer im 8. Obergeschoss des Ärztehauses, gab Eckel einen kurzen überblick über die Geschichte der Kammer und unterstrich, wie wichtig es für die Ärzteschaft sei, die eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln, was mit der ärztlichen Selbstverwaltung gewährleistet sei.

Frühauf machte die Gäste mit der Aufstellung der Landesärztekammer vertraut, nicht ohne zu betonen, wie wichtig es für ihn ist, dass der Hauptgeschäftsführer auch Arzt - und in seinem Fall auch Finanzfachmann sei. Die nicht ohne Stolz von ihm vorgetragene Leistungsbilanz der niedersächsischen Ärzteschaft und der Kammer - die immerhin 251 Ärzte iranischer Herkunft zu ihren Mitgliedern zählt - kann sich sehen lassen: Rund 1.000 Ehrenamtliche sind für die Kammer, sei es als Gutachter, Prüfer oder in anderer Funktion tätig, 3.500 Ärzte spezialisieren sich in jedem Jahr in einem Fachgebiet, 1.500 bilden sich erfolgreich weiter, 600 absolvieren die Fachsprachprüfung bei der Ärztekammer. Frühauf verwies weiter auf 40.000 pro Jahr von der Kammer anerkannte Fortbildungsveranstaltungen und die Pflicht der Ärzte zur Fortbildung und der Absolvierung von anerkannten Fortbildungsveranstaltungen zur Erlangung eines Zertifikats.

Zali konnte in einem Referat - von Delegationsmitglied Dr. A. Amir Sayfadini kompetent übersetzt - anschaulich die Aufstellung der iranischen Ärzteschaft transportieren: Die Kammer, kurz IRIMC, ist die größte nichtstaatliche Organisation des Landes im Bereich der Medizin und wurde 1964 gegründet. Sie ist Regulierungsbehörde der Gesundheitsberufe, verantwortlich für die Registrierung und Zulassung aller Gesundheitsberufe (ausgenommen der Krankenschwestern und -pfleger).

Die Kammer erteilt die Erlaubnis zum Betrieb einer ärztlichen Praxis, die alle fünf Jahre bei Nachweis von 125 Fortbildungspunkten verlängert werden muss, sonst droht der Verlust.

Alle iranischen medizinischen, zahnmedizinischen und pharmazeutischen Verbände sind IRIMC assoziiert und regeln landesweit bi- oder multilaterale Kooperationen zwischen Angehörigen der Gesundheitsberufe, anderen Verbänden und Organisationen. IRIMC vertritt mehr als 230.000 registrierte Mitglieder, darunter Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und weitere Gesundheitsberufe (wie zum Beispiel Augenoptiker und Physiotherapeuten).

Die Kammer verfügt über 196 regionale Niederlassungen - die wohl am besten mit Bezirksstellenstrukturen in Deutschland zu vergleichen sind. Jede regionale Niederlassung besteht aus einem Vorstand (mit einem Regionalpräsidenten, Vizepräsidenten, Schatzmeister und Sekretär), die unter der Aufsicht des IRIMC-Vorstands tätig sind. Das Kammer-Parlament, die Generalversammlung, hat 224 gewählte Mitglieder. Der als "Oberster Rat" bezeichnete Vorstand hat 25 gewählte Mitglieder. Außerdem gehört ihm je ein Vertreter des iranischen Gesundheitsministeriums, des Gesundheitsausschusses des iranischen Parlaments sowie der Leiter der iranischen Medizinrechts-Gesellschaft an. Der IRIMC-Präsident ist nicht nur der höchststehende gewählte Beamte des Rates, sondern auch des gesamten nationalen Gesundheitssystems.

IRIMC versteht sich nach den Worten von Zali als Interessenvertretung des Gesundheitswesens und ist zugleich für die Wahrung von Patientenrechten zuständig.

Frühauf verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Ärztekammer Niedersachsen sich in jedem Jahr mit ungefähr 2.000 Patientenbeschwerden befasst und darüberhinaus die Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern als anerkannte Plattform für die außergerichtliche Klärung von Arzthaftungsstreitigkeiten seit ihrer Gründung 1976 von mehr als 100.000 Patienten in Anspruch genommen wurde.

Mit Aufmerksamkeit registrierten die Vertreter der Ärztekammer Niedersachsen, das im Iran die Gesundheitsgesetzgebung der Zustimmung der Ärztekammer bedarf. Die Facharztweiterbildung - es existieren 25 ärztliche Subspezialitäten - liegt in der Hand der 40 medizinischen Fakultäten im Land, die auch die Facharztprüfungen durchführen, wobei 56 Prozent der iranischen Ärzteschaft mittlerweile Frauen sind. Nach Angaben der iranischen Kammer sind 98 Prozent der iranischen Bevölkerung grundversichert und zahlen - soweit erwerbstätig - zwischen 5 und 10 Prozent ihres Einkommens für die Krankenversicherung.

IRIMC bekennt sich zu den Millenniums-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen und verfolgt unter der aktuellen Präsidentschaft die Idee der globalen Partnerschaft für die Gesundheit. Aus diesem Grund ist die iranische Kammer an der Zusammenarbeit mit zertifizierten medizinischen Verbänden rund um den Globus interessiert und möchte diese erweitern.

Zali zum Schluss: "Die Zusammenarbeit von persischen und deutschen Ärzten hat eine lange Tradition. Wir hoffen, dass beide Ärztekammern diese Tradition weiterführen."

Als Ausdruck dessen lässt sich sicher der Besuch bei der Ärztekammer Niedersachsen einordnen, der mit der überreichung eines wertvollen Teppichs an den Ehrenpräsidenten abschloss, bevor sich die Delegation zur Visite der Medizinischen Hochschule Hannover und des Niedersächsischen Zentrums für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung (NIFE) verabschiedete, nachdem sie im Rahmen des Besuchsprogramms bereits das International Neuroscience Institute (INI) und die ROWIAK GmbH besucht hatte.

Verfasser/in:
Raimund Dehmlow
Online-Redaktion der Ärztekammer Niedersachsen
Berliner Allee 20, 30175 Hannover
raimund.dehmlow@aekn.de


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