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nä 07/2017
aktualisiert am: 15.07.2017

 

  Honorar & Verträge

Rollout rollt an

Seit 1. Juli läuft die Zeit – bis Mitte 2018 sollen sämtliche Arztpraxen in Deutschland an die „Telematik-Infrastruktur“ angeschlossen sein. Doch die erforderlichen Geräte sind noch nicht erhältlich. Es wird sportlich


 


In Kürze wird die Telematikinfrastruktur (TI) im Gesundheitswesen ihren Betrieb aufnehmen. Die TI soll perspektivisch alle Praxen, Medizinischen Versorgungszentren, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Akteure elektronisch vernetzen. Mit dem Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) - der ersten Online-Anwendung auf der eGK - soll der Online-Rollout ab 1. Juli 2017 beginnen. Dazu benötigen Sie einen Internetzugang, einen Konnektor, eine SMC-B-Karte (Praxis-Ausweis) und ein neues Kartenterminal (ggf. ein weiteres mobiles Kartenterminal). Tatsächlich werden die Komponenten zum 1. Juli noch nicht zur Verfügung stehen.

Darauf sollten Sie achten: Sie sollten genau abwägen, wann der richtige Zeitpunkt für den Anschluss ihrer Praxis an die Telematikinfrastruktur ist. Nach den aktuellen gesetzlichen Vorgaben haben Sie bis zum 30. Juni 2018 Zeit. Die ersten zugelassenen Produkte werden voraussichtlich erst ab Herbst 2017 auf dem Markt verfügbar sein.

Unser Rat: Lassen Sie sich von Anbietern nicht unter Druck setzen. Unterschreiben Sie möglichst keinen Vertrag, wenn die Firma Ihnen nicht zusichern kann, dass die IT-Komponenten noch im selben Quartal in Ihrer Praxis installiert werden. Anderenfalls sollten Sie vereinbaren, dass Sie Geräte zu dem Preis erhalten, der durch die Höhe der Finanzierungspauschale zum Zeitpunkt der Installation abgedeckt ist.

Bedenken trotz höchster Sicherheitsanforderungen


Es ist unter anderem vorgesehen, den Medikationsplan sowie Notfalldaten auf der eGK zu speichern. Auch Online-Anwendungen, die Ärzte jetzt im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen finden, können problemlos über die Telematikinfrastruktur genutzt werden. Für alle diese Anwendungen gelten höchste Sicherheitsanforderungen. Deshalb werden zum Beispiel sämtliche technischen Komponenten wie Konnektoren und Kartenterminals vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert und von der gematik zugelassen. Die gematik - die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte - ist verantwortlich für den Aufbau und Betrieb des digitalen Netzwerkes. Sie wurde von den Spitzenverbänden des Gesundheitswesens, darunter der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen, die KassenärztlicheBundesvereinigung und die Bundesärztekammer, gegründet.

Trotz der hohen Sicherheitsstandards sind datenschutzrechtliche Bedenken wegen eines möglichen Missbrauchs von Patientendaten nicht ausgeräumt. So haben die Mitglieder der Vertreterversammlung der KVN auf ihrer Klausurtagung am 17. Juni in Großburgwedel die strikte Einhaltung des Datenschutzes bei der Einführung der neuen Telematikinfrastruktur im Zusammenhang mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gefordert. Sie sehen die Gefahr, "dass der Datenschutz durch die aufgezwungene Nutzung der Telematikinfrastruktur verletzt werden könnte." Sie fordern daher, dass das juristische Risiko bei den Anbietern der neuen Telematikinfrastruktur und nicht beim Kassenarzt liegt.

Durch die eGK und die neue Telematikinfrastruktur soll die Kommunikation innerhalb des Gesundheitsbereichs verbessert werden. Da Patientendaten künftig nicht mehr allein beim behandelnden Arzt zur Verfügung stehen, sondern auf der eGK und auch teilweise auf zentralen Servern gespeichert werden, haben die Delegierten der niedersächsischen Kassenärzte gefordert, dass der gegenwärtig vorhandene Standard bei Datenschutz und Patientenrechten auch unter den veränderten technischen Bedingungen gewährleistet werden muss: "Ein Patient darf weder rechtlich noch faktisch gezwungen sein, überall im Gesundheitsbereich seine Krankheitsdaten pauschal zu offenbaren. Ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient muss weiterhin möglich sein."

Gesetzgeber gibt engen Zeitplan vor


Der Zeitplan ist extrem eng: Innerhalb nur eines Jahres, so schreibt es das E-Health-Gesetz vor, sollen alle Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten, sämtliche Krankenhausambulanzen sowie Zahnärzte an die TI angeschlossen sein und mit der ersten Online-Anwendung, dem Abgleich der Versichertendaten auf der eGK, beginnen. Praxen, die das Versichertenstammdatenmanagement ab 1. Juli 2018 nicht durchführen, drohen gesetzlich vorgeschriebene Honorarkürzungen.

KVN schaltet Hotline


Bei allen technischen Fragen zur Installation sollte Ihr erster Ansprechpartner immer Ihr IT-Dienstleister sein. über weitere Details informieren wir Sie im Internet unter http://www.kvn.de > Praxis > TI-Rollout, im niedersächsischen ärzteblatt und im KVN-Rundschreiben. Darüber hinaus haben wir eine TI-Telefonhotline unter 0511 380-3536 (Servicezeiten Mo. - Do.: 8:00 - 17:00 Uhr und Fr.: 8:00 - 14:00 Uhr) eingerichtet. Außerdem können Sie per E-Mail Ihre Fragen stellen: TI-Anfragen@kvn.de.

Diese technischen Komponenten benötigen Sie für den TI-Betrieb


Konnektor
Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor - ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem Praxisverwaltungssystem per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement. Vom Konnektor als zentralem Modul gibt es derzeit nur ein einsatzfähiges Modell. Doch das steht nicht wie geplant zum 1. Juli zur Verfügung. Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) geht davon aus, dass in den kommenden Monaten weitere Hersteller neue Geräte auf den Markt bringen werden. Bei der Bestellung des Konnektors sollten Sie darauf achten, ob das Gerät bereits für die qualifizierte elektronische Signatur geeignet ist. Eventuell anfallende Kosten für ein späteres Update sind in der Finanzierungspauschale für den Konnektor, die Sie bekommen, enthalten.

Kartenterminals, eHBA und SMC-B
Mit den Kartenterminals werden die elektronische Gesundheitskarte (eGK), der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) und die Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) eingelesen. Nur wenn die Praxis mittels SMC-B registriert ist, kann der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen. Der eHBA ist für die erste Anwendung des Versichertenstammdatenmanagements nicht erforderlich. Der elektronische Heilberufsausweis ermöglicht ein rechtssicheres Unterschreiben von elektronischen Dokumenten (Arztbriefen, Befunden etc.).

Mobile Kartenterminals
Mobile Kartenterminals ermöglichen den Vertragsärzten, zum Beispiel bei Hausbesuchen abrechnungsrelevante Versichertenstammdaten zu lesen und zwischenzuspeichern. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird eine SMC-B-Card zur Identifikation benötigt.

Anpassung PVS
Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, damit das Auslesen und gegebenenfalls Aktualisieren der Versichertendaten auf der eGK möglich sind.

Verfasser/in:

KVN




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KBV fordert längere Einführungsphase für TI-Anbindung


Angesichts des verkürzten Zeitplanes für die Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur fordert die KBV eine Verlängerung der Einführungsphase. Viele Ärzte und Psychotherapeuten fühlten sich unter Druck gesetzt, ihre Praxen möglichst schnell mit der nötigen Technik auszustatten, sagte Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands, in einem KV-on-Interview.
Ursprünglich seien es zwei Jahre gewesen, die für die Ausstattung der Praxen für die Telematikinfrastruktur (TI) zur Verfügung standen, "jetzt faktisch nur noch ein Dreivierteljahr. Wir erwarten vom Gesetzgeber, dass er die Frist, die zu Sanktionen bei Ärzten, Psychotherapeuten und Zahnärzten führen, verlängert."
Ursprünglich waren für den TI-Anschluss der Praxen zwei Jahre ab Beginn des Rollouts am 1. Juli 2016 vorgesehen. Da die Industrie die Technik nicht rechtzeitig liefern konnte, wurde der Starttermin durch den Gesetzgeber vom
1. Juli 2016 auf den 1. Juli 2017 verschoben und damit der Zeitraum für die Anbindung an die TI von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert.
Die Industrie muss ihre Produkte wie Konnektoren und Kartenterminals zur Zulassung bei der gematik - Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte - einreichen. Die ersten zugelassenen Produkte werden voraussichtlich erst in diesem Herbst auf dem Markt sein, sodass der Zeitdruck immer größer wird.

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