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nä 07/2017
aktualisiert am: 15.07.2017

 

  Fortbildung

1.281 Ärzte zur Fortbildung auf Langeoog

Fortbildungswochen der ÄKN im Frühjahr ein voller Erfolg


 


Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) organisierte zwischen dem 21. Mai und 3. Juni auf der Nordseeinsel Langeoog eines der bundesweit umfangreichsten und qualifiziertesten ärztlichen Fortbildungsangebote - die Langeooger Fortbildungswochen. Das Programm gliederte sich in vier große Fortbildungsblöcke: die Psychotherapiewoche, die Woche der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, die Woche der Notfallmedizin sowie die Woche der Praktischen Medizin. Insgesamt wurden 1.281 Teilnehmer und rund 180 Referenten registriert. "Auf der autofreien niedersächsischen Nordseeinsel finden unsere Ärztinnen und Ärzte optimale Lernbedingungen vor. Deshalb organisieren wir seit nunmehr 65 Jahren dort unser größtes Fortbildungsangebot", erklärte Kammerpräsidentin Dr. med. Martina Wenker. Ein wesentliches Merkmal der Fortbildungswochen auf Langeoog ist, dass die Veranstaltungen frei von Sponsoring sind und allein über die Teilnahmegebühren finanziert werden.

"Leben. Bewahren und Verändern." lautete das Thema der Psychotherapiewoche vom 22. bis 27. Mai, die nach einem zweijährigen Zwischenschritt auf Norderney in diesem Jahr wieder auf Langeoog stattfand und 468 Teilnehmer meldete. Im Eröffnungsvortrag gab Professor Dr. Michael Ermann aus München einen überblick über die Entwicklung der Konzepte der Traumdeutung und spannte dabei einen Bogen, beginnend bei der Traumdeutung "klassischer Neurosen" bis hin zu den aktuellen Konzepten der Zustands- und Zeichenträume bei Persönlichkeitsstörungen.

Für die Woche der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie wurde das Thema "Dissoziation und Gegenwart" gewählt, das 218 Teilnehmer auf die Nordseeinsel führte: "Ein klassisches klinisches Thema, eine Verbindung von Klinik und Kultur und eine Verknüpfung zu aktuellen globalen gesellschaftspolitischen Veränderungen", erläuterten die wissenschaftlichen Leiter Professor Dr. Franz Resch aus Heidelberg und Professor Dr. Michael Schulte-Markwort aus Hamburg. "Durch die Anheizung transkultureller, religionsbasierter Konflikte fühlen sich Menschen, fühlen wir uns alle schneller bedrängt - und unsere Kinder auch. Dieser Druck begünstigt dissoziative psychische Mechanismen, die ihrerseits die Konflikte anheizen."

Besonderes Augenmerk galt in diesem Jahr der Woche der Notfallmedizin (27. Mai bis 3. Juni 2017). "Jede Ärztin und jeder Arzt kann stets mit einer Notfallsituation konfrontiert werden, egal ob im Notarztdienst, im ärztlichen Bereitschaftsdienst, in der Klinik oder in der Praxis", erklärte ÄKN-Präsidentin Dr. Wenker. "Notfälle kennen keine Altersgrenze und beschränken sich nicht auf bestimmte Fachgebiete. In diesem Sinne stellen sich Ärzte, die notfallmedizinisch tätig werden wollen oder müssen, einer interdisziplinären Herausforderung. Theoretisches Wissen, praktische Fähigkeiten und eingeübte Handlungsstrategien für das Vorgehen in solchen Situationen sind Voraussetzung, um betroffenen Patienten schnell, sicher und effektiv helfen zu können. Die Teilnehmer lernen Techniken, die Ihnen in schwierigen Situationen die Sicherung der Vitalfunktionen ermöglichen, und Sie werden Strategien kennen, die Ihnen in Extremsituationen als Rückfallebene helfen werden." Der Kurs "Notfallmedizin" bereitet in diesem Sinne auf im Rettungsdienst häufig anzutreffende Situationen vor. 90 Ärzte nahmen an dieser Fortbildung teil.

Die traditionelle Woche der Praktischen Medizin (29. Mai bis 2. Juni), die unter dem Leitthema "Stoffe und Stoffwechsel, wechselndes Wissen und Glauben" stand, lockte 505 Teilnehmer an die Nordsee. ÄKN-Vizepräsidentin Marion Charlotte Renneberg eröffnete diese beliebte Fortbildungswoche am 29. Mai um 9 Uhr im Haus der Insel.
n Jörg Blume
65. Jahre Langeooger Fortbildungswochen
Ein Resümee von Bari Oral, Leiter des ÄKN-Sachgebiets Ärztliche Fortbildung

Die Langeooger Fortbildungswochen der ÄKN fanden in diesem Jahr zum 65. Mal auf der Nordseeinsel Langeoog statt und boten innerhalb von 14 Tagen in vier Themenblöcken umfangreiche und hochwertige Fortbildungsveranstaltungen an. Für mich war es das erste Mal als leitender Organisator und Verantwortlicher für das Sachgebiet Ärztliche Fortbildung.

Im Jahr 1952 wurden durch die ÄKN zum ersten Mal Fortbildungsveranstaltungen auf Langeoog in der "Woche der Praktischen Medizin" angeboten. Das Angebot wurde stets erweitert und darauf Wert gelegt, dass die Fortbildungswochen frei von Sponsoring sind und allein über die Teilnahmegebühren finanziert werden. Bis heute sind wir diesem Grundsatz treugeblieben.

Bereits 1971 startete die Psychotherapiewoche zum ersten Mal, 1993 die Woche der Notfallmedizin, 2002 die Woche der Kinderpsychiatrie und Psychotherapie.

Die Fortbildungswochen wurden nach einer Unterbrechung von zwei Jahren wieder nach Langeoog verlegt. Die Resonanz auf die Rückkehr von Norderney war sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Inselbewohnern, Hoteliers und Gastronomiebetreibern sehr positiv. Von allen Seiten erreichten uns nur positive Zusprüche für die Entscheidung zur Rückkehr nach Langeoog. Auch die Inselgemeinde versprach uns eine engere und sehr konstruktive Zusammenarbeit für die Zukunft.

Für die Ausrichtung der einzelnen Veranstaltungen konnten wir auf diverse Räumlichkeiten in mehr als 15 Tagungsstätten zurückgreifen. Diese wurden uns von der Inselgemeinde, Inselschule, den Hotels, karitativen Einrichtungen und Kirchengemeinden durch Miete zur Verfügung gestellt. Die Ausstattung der einzelnen Einrichtungen ist in einem tadellosen Zustand gewesen. Was nicht geboten werden konnte, wurde in zwei Transportern durch uns auf die Insel geschafft. Wir waren sowohl technisch als auch mit Hilfsmitteln stets auf die Bedürfnisse der Referenten vorbereitet.

Das diesjährige Programm der 46. Psychotherapiewoche beinhaltete elf durchlaufende Vorlesungen zum Schwerpunktthema "Leben. Bewahren und Verändern." sowie zu einer Reihe weiterer Veranstaltungen zu klinisch relevanten Themen, für deren Auswahl der wissenschaftliche Beirat um Professorin Dr. med. Anette Kersting verantwortlich war. Vor- und Nachmittagsgruppen und Seminare mit unterschiedlicher Thematik komplettieren das Gesamtprogramm, das von insgesamt 40 Referentinnen und Referenten bestritten wurde. Wir konnten in dieser Woche 468 Teilnehmer begrüßen.

Im selben Zeitraum fand die 15. Woche der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie auf der Insel statt. Das Programm war mit zehn Vorlesungen zum Schwerpunktthema "Dissoziation und Gegenwart" gestaltet. Die Kasuistiken wurden an zentraler Stelle der Woche angeordnet. Vor- und Nachmittagsgruppen mit unterschiedlicher Thematik waren Bestandteil des Gesamtprogramms in diesem Jahr, das von insgesamt 26 Referentinnen und Referenten begleitet wurde. Insgesamt meldeten sich 218 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an.

In der Folgewoche tagte die 65. Woche der Praktischen Medizin zum Thema "Stoffe und Stoffwechsel, wechselndes Wissen und Glauben". Die Vorträge namhafter Referenten standen im Zeichen dieses Themas. Insgesamt wurden 13 Vormittags-, 13 Nachmittags-, zehn Ganztags- und zwei Tageskurse angeboten. Darunter altbewährte Dauerbrenner wie die Updates Allgemeinmedizin oder Kurse zu den Themen Demenz, Neurologie und Diabetes. Die weiterbildungsrelevanten Kurse Psychosomatische Grundversorgung und verschiedene Module der Palliativmedizin sowie zertifizierte Sonographiekurse untermalten das breit gefächerte Angebot. Die Woche der Praktischen Medizin wurde von 505 Teilnehmern gebucht.

Parallel zur Praktischen Medizin fand in diesem Jahr die 24. Woche der Notfallmedizin auf Langeoog statt. Nach dem bewährten Göttinger Tutorenprinzip wurden hier praxisnahe Inhalte vermittelt, die über die Vorgaben des Curriculums hinausgehen. In kleinen Praxisgruppen von maximal zehn Teilnehmern wurden unter Aufwendung von hohem technischen Niveau die Techniken gelehrt, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im späteren Rettungseinsatz von großem Nutzen sein werden. Der Kurs dient zur Erlangung der Zusatzbezeichnung "Notfallmedizin" und war, wie in den Vorjahren, auch in diesem Jahr ein Highlight unter den 90 Teilnehmern.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den unzähligen Referentinnen und Referenten sowie den vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bedanken - aber auch bei allen anderen Helfern und hier vor allem bei meinem Team, das seinen großen Beitrag zum Gelingen der Langeooger Fortbildungswoche geleistet hat.

Verfasser/in:
Jörg Blume
Chefredakteur "niedersächsisches ärzteblatt"
Berliner Allee 20, 30175 Hannover



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