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nä 07/2017
aktualisiert am: 15.07.2017

 

  Kammerversammlung

Einstimmig für Abriss und Neubau des Ärztehauses in Hannover

Delegierte entschließen sich für einen Abriss der asbestbelasteten Altimmobilie an der Berliner Allee


 


Die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) hat sich in ihrer Sitzung am 14. Juni 2017 einstimmig für den Neubau des Ärztehauses an der Berliner Allee 20 entschieden. "Mit dem Neubau werden wir ein offenes, transparentes und energetisch nachhaltiges Haus der Begegnung errichten, das auch Bürgern, Patienten, Wohlfahrtsverbänden und der Wissenschaft offenstehen wird. Wir wollen als Ärzteschaft im zentralen Stadtbild Hannovers an vertrauter und angestammter Stelle präsent bleiben", erklärt Kammerpräsidentin Dr. med. Martina Wenker. "Wir haben den Neubaubedarf durch fachkundige und unabhängige Stellen mit der gebotenen Sorgfalt ermitteln lassen. Das haben wir getan, weil wir verantwortungsvoll mit den Beitragsmitteln der freien Berufsgruppe der über 40.400 Ärzte in Niedersachsen umgehen. Außerdem hat die ÄKN als Arbeitgeber auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren 180 Beschäftigten und alle Arbeitnehmer haben das Recht, in gesunder Umgebung zu arbeiten", betont Dr. Wenker.

Für den Neubauzeitraum wird die ÄKN-Hauptverwaltung Ende 2017 in ein Bürogebäude in der Karl-Wiechert-Allee 18-22 in Hannovers Stadtteil Groß-Buchholz ausweichen.

Eingeleitet wurde der Tagesordnungspunkt "Gebäudesituation der ÄKN" mit einer umfassenden Präsentation durch den Finanzbeauftragten des Landesvorstands Dr. med. Franz Bernhard M. Ensink, MBA. Während der mehr als zwei Stunden andauernden Beratung waren zusätzlich auch zwei Mitarbeiter des Projektmanagementbüros Drees und Sommer vor Ort. Sie erklärten anhand der, den Kammerversammlungsmitgliedern als oberstem Beschlussorgan der ärztlichen Selbstverwaltung vorliegenden, Machbarkeitsstudie, warum eine Kernsanierung des 50 Jahre alten Ärztehauses nicht zu empfehlen ist und beantworteten gemeinsam mit dem Landesvorstand sowie den Geschäftsführern der ÄKN die zahlreich gestellten Fragen der Delegierten.

Erkenntnisse aus der Machbarkeitsstudie


In der Machbarkeitsstudie wurden insgesamt elf Gutachten zu unterschiedlichen Themenbereichen ausgewertet, um die Machbarkeit sowohl einer Kernsanierung des Bestandsgebäudes als auch den Abriss und Neubau am Standort zu prüfen und einander gegenüberzustellen.
Ein Problem der Immobilie stellt der Grundwasserspiegel dar, der in den vergangenen Jahren in ganz Hannover ständig gestiegen ist. Im Februar 2016 hat das zum überlaufen von zwei bisher unauffälligen Drainageschächten im Keller des Ärztehauses geführt. Die Grundwasserproblematik zeigt sich auch in Form von teilweise massiven Ausblühungen im Putz des Treppenhauses sowie ständigem Austritt von Salzkristallen im Kellergeschoss unterhalb des Vortragssaals. Ein Vergleich der Pegelstände mit dem Bodenniveau des Kellergeschosses ergab, dass der Heizungskeller als tiefster Punkt des Gebäudes inzwischen dauerhaft 60 Zentimeter im Grundwasser steht - die übrigen Kellerbereiche durchschnittlich etwa 25 Zentimeter. Ohne den dauerhaften Einsatz von inzwischen zehn Pumpen wären die Kellerbereiche dauerhaft überflutet. Dies ist insbesondere kritisch zu sehen, weil seinerzeit die komplette Elektroinstallation über sogenannte Bodenkanäle ausgeführt wurde - das heißt, dass die Stromversorgung des Ärztehauses über Kabel erfolgt, die dauerhaft im Wasser liegen, obwohl das Material eine entsprechende Wasserdichtigkeit nicht aufweist.

Des Weiteren ist das Ärztehaus mit Schadstoffen belastet. Eine Untersuchung der Gebäudesubstanz durch entsprechende Schadstoffgutachter ergab, dass asbesthaltige Faserzement-Lüftungskanäle und Brandschutzplatten verbaut wurden und auch Wand- und Deckenputz an vielen Stellen asbesthaltig sind. Hinzu kommen diverse kanzerogene (krebserregende) Lacke und Farben, die beispielsweise für den Anstrich von Holzoberflächen benutzt wurden.

Auch der Brandschutz war Thema in der Machbarkeitsstudie, denn bereits bei den Umbaumaßnahmen der letzten Jahre stellte sich heraus, dass der Brandschutz im Bestandsgebäude mangelhaft ist. Nicht nur, dass die Brandschutzbestimmungen in den letzten Jahren massiv verschärft wurden - es zeigte sich auch an vielen Stellen, dass selbst die vergleichsweise milden Brandschutzbestimmungen zur Gründungszeit des Gebäudes schon bei der Errichtung nicht eingehalten wurden. So kann zum Beispiel das Haupttreppenhaus als wesentlichster Fluchtweg für die Evakuierung im Brandfall seinen Zweck nicht erfüllen, weil eine wirkliche Abschottung zu den einzelnen Etagen fehlt.
Die Machbarkeitsstudie kommt außerdem zu dem Schluss, dass ein energieeffizienter Betrieb des Hauses nur eingeschränkt möglich ist. Auch die Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung würde nur mit Kompromissen möglich sein. Weitere Durchbrüche in der Tragstruktur für die erforderlichen Kabel und Rohrleitungen in den Kellerbereichen sind aus statischen Gründen ausgeschlossen, weshalb neue Trassen gefunden werden müssten, die wertvollen Platz einnehmen würden, der jedoch für die Mitarbeiter der ÄKN benötigt wird. Und der vorhandene Schallschutz liegt ebenfalls weit unter den Anforderungen der Arbeitsstättenrichtlinie beziehungsweise einschlägiger DIN-Normen.

Laut Drees und Sommer sprechen demnach folgende Punkte gegen eine Kernsanierung und für einen Neubau des Ärztehauses:
- Bestandsschutz
Auch bei einer Kernsanierung sei davon auszugehen, dass der Bestandsschutz verloren geht. Das würde bedeuten, dass die Bauordnung zum Beispiel bei den Abstandsflächen eingehalten werden muss, was zur Folge hätte, dass doch ein Abriss vorgenommen werden müsste, wenn es zu keiner einvernehmlichen Regelung mit den Nachbarn kommt.

- Grundwasser
Es bestehe das Risiko, dass im Untergeschoss keine Wasserdichtigkeit erzielt wird, da noch weitere Schäden entdeckt werden könnten, welche gegebenenfalls technisch nicht langfristig saniert werden könnten. Des Weiteren würde im Falle einer Kernsanierung die Kammer die Kosten bei eventuell wieder eintretendem Wasser übernehmen müssen, da die Firmen in solchen Fällen keine Garantien geben. Bei einem Neubau hingegen, der im Vorfeld mit einer weißen Wanne zum Schutz gegen Grundwasser ausgerüstet werden könnte, würde die Baufirma die Garantie übernehmen.

- Bausubstanz
Bei der Betonsanierung bestehe das Risiko, dass sich während der Arbeiten herausstellt, dass tragende Bauteile nicht nur mit Spritzmörtel bearbeitet, sondern gegebenenfalls komplett erneuert oder ausgetauscht werden müssen, da die Tragfähigkeit sonst nicht mehr gegeben wäre.

- Kosten
Die geschätzten Investitionskosten für eine Kernsanierung seien fast identisch mit denen eines Abbruchs und Neubaus. Jedoch werde bei gleichen Kosten auf der einen Seite ein altes Gebäude nur saniert und auf der anderen Seite entstehe ein werthaltiger Neubau.

Auf Basis der umfangreichen Informationen im Rahmen der Machbarkeitsstudie sowie der bereits seit des Tendenzbeschlusses der Kammerversammlung im September 2016 regelmäßig erfolgten Sachstandsberichte haben sich die Mitglieder der Kammerversammlung nach ausführlichen Beratungen einstimmig und ohne Enthaltungen dazu entschlossen, das Bestandsgebäude an der Berliner Allee abreißen und an selber Stelle ein modernes Bürogebäude entstehen zu lassen. "Mit diesem eindeutigen Beschluss unseres Souveräns können wir nun konkrete Architektenentwürfe erarbeiten lassen sowie auf dieser Basis ein Finanzierungskonzept erstellen. Wir liegen damit gut im Zeitplan des Projekts", freut sich Präsidentin Dr. Wenker.


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Reisekosten- und Entschädigungsordnung modernisiert


Ebenfalls auf der Tagesordnung stand die Neufassung der noch ausstehenden Paragrafen 4 und 5 der Reisekosten- und Entschädigungsordnung der ÄKN. Dr. med. Helmut Anderten, Vorsitzender des Finanz- und Beitragsausschusses, erläuterte die - anhand der, in der Kammerversammlung am 1. April, konsentierten Eckpunkte erstellte - Neufassung und stellte diese zur Abstimmung. Mit großer Mehrheit (bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen) stimmte die Kammerversammlung der Neufassung zu - jedoch nicht ohne den nachdrücklichen Hinweis, die neuen Regelungen durch ein begleitendes Monitoring zu evaluieren. Erste Ergebnisse dieser Evaluation sollen der Kammerversammlung im Herbst 2018 vorliegen.

Kooperationsvereinbarung zur Förderung der Weiterbildung zur Unterzeichnung freigegeben


ÄKN-Vizepräsidentin Marion Charlotte Renneberg legte der Kammerversammlung am 14. Juni die konsentierte "Kooperationsvereinbarung gemäß § 4 der Anlage IV zur Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung nach § 75a SGB V" zur Abstimmung vor. Die Vereinbarung besteht zwischen den Lehrstühlen und Instituten für Allgemeinmedizin in Niedersachsen, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), der Niedersächsischen Landeskrankenhausgesellschaft (NKG) sowie der ÄKN, die eine Lenkungsgruppe Niedersachsen einrichten, der die ÄKN vorsteht. Ziel dieser Vereinbarung ist, Ärzte in Weiterbildung im Gebiet Allgemeinmedizin zu unterstützen, um die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten in angemessener Zeit auf Basis der jeweils gültigen Weiterbildungsordnung der ÄKN zu erlangen, zu vertiefen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. "Diese Kooperationsvereinbarung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Struktur und Qualität in der ärztlichen Weiterbildung", betonte Renneberg. Die Delegierten stimmten bei einer Enthaltung mit überwältigender Mehrheit einer Unterzeichnung dieser Vereinbarung seitens der ÄKN zu.


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