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nä 06/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Selbstverwaltung

Ärztlicher Notdienst: „Wir brauchen mehr Patientensteuerung“

Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen appelliert an die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger


 

In der anhaltenden öffentlichen Diskussion um die ambulante Notfallversorgung hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, an die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger appelliert. "Patienten mit einer nicht lebensbedrohlichen Erkrankung, die außerhalb der Sprechzeiten einen Arzt konsultieren müssen, sollten nicht gleich die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufsuchen", betonte Barjenbruch.

Für diese Fälle sei der ambulante Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen die erste Anlaufstelle. "Die KVN hat den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst in den vergangenen Jahren reformiert und gut organisiert. Dabei ist vor allem die Erreichbarkeit für die Patienten verbessert worden. Wir haben in oder an 62 niedersächsischen Kliniken unsere kassenärztliche Bereitschaftsdienstpraxis etabliert", so Barjenbruch. Es gebe seit dem Jahr 2012 die zentral Telefonnummer 116117 für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, die die Patienten außerhalb der regulären Sprechzeiten anrufen könnten. Die Anrufer werden an den zuständigen Bereitschaftsdienst weitergeitet.

Barjenbruch wies darauf hin, dass es sich Patienten mitunter auch einfach machten und direkt in die Notfallambulanz der Krankenhäuser gingen. Die Krankenhäuser klagten an dieser Stelle zu Recht darüber, dass sie für dieses erhöhte Aufkommen gar nicht gerüstet seien. Die Politik sollte daher darüber nachdenken, ob nicht weitere Steuerungselemente nötig seien, sagte Barjenbruch. "Ohne Einbeziehung des Patienten werden wir oder die Krankenhäuser keine vernünftige Lösung hinbekommen."
Barjenbruch weiter: "Gemeinsam mit den Krankenhäusern müssen wir darüber sprechen, die Patienten an die richtigen Stellen zu leiten. Die Patienten müssen wissen, ob sie in die Notfallambulanz eines Krankenhauses oder zum kassenärztlichen Bereitschaftsarzt gehen sollten oder ob es ausreicht, dass sie in den nächsten Stunden oder am nächsten Tag ihren Haus- oder Facharzt aufsuchen."

Rund eine Million Patienten werden in Niedersachsen jährlich außerhalb der Praxisöffnungszeiten im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst behandelt. Etwa zwei Millionen suchen die Notfallambulanzen der Krankenhäuser auf. Die eine Hälfte davon wird stationär aufgenommen, die andere Hälfte ambulant versorgt.

Run auf die Notfallambulanzen


Die überlastung der Notfallambulanzen an den Krankenhäusern ist kein niedersächsisches, sondern ein deutschlandweites Phänomen. Angesichts der anhaltenden Diskussion um die Notfallversorgung hat das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) kürzlich Fakten und Zahlen zusammengestellt.

Demnach werden jährlich etwa 580 Millionen Behandlungsfälle im vertragsärztlichen Sektor betreut. Viele dieser Behandlungsfälle haben die gleichen Behandlungsanlässe wie Behandlungsfälle in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser (siehe Grafik 1: akuter Rückenschmerz und Infektion obere Atemwege).

Allein im ärztlichen Bereitschaftsdienst, also außerhalb der Praxisöffnungszeiten, behandeln die niedergelassenen Ärzte rund 10 Millionen Patienten.

Jährlich gehen etwa 20 Millionen Patienten durch die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Davon wird die Hälfte stationär aufgenommen (diese Patienten stellen die Hälfte aller stationären Fälle dar!). Die andere Hälfte wird ambulant behandelt. Diese rund 10 Millionen Patienten gliedern sich in drei Gruppen:
- Gruppe 1: ca.10 Prozent benötigen keine dringliche Diagnostik und Therapie.
- Gruppe 2: ca. 87 Prozent werden wie in der vertragsärztlichen Versorgung behandelt.
- Gruppe 3: ca. 3 Prozent haben schwerwiegendere Erkrankungen.

Das ZI empfiehlt für die drei Patientengruppen folgende Versorgung:
- Gruppe 1: Diese Patienten sollten nicht in den Krankenhäusern, sondern in den Arztpraxen zu regulären Sprechzeiten behandelt werden. Dies entlastet die Notaufnahmen.
- Gruppe 2: Diese Patienten können problemlos nach den Regeln der vertragsärztlichen Versorgung behandelt werden. Krankenhäuser sollten hierfür nicht besser gestellt werden als die Praxen der niedergelassenen Ärzte.
- Gruppe3: Diese Patienten haben einen erhöhten Behandlungsaufwand. Für ihre Behandlung schlägt die KBV einen diagnoseabhängigen Zuschlag vor.

Verfasser/in:

KVN




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