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nä 06/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Praxis & Versorgung

Telematikinfrastruktur: Was bekommen die Praxen erstattet?

Finanzierungsvereinbarung zur Kostenerstattung bei der TI-Einführung in der ambulanten Versorgung abgeschlossen


 

Für Ärzte und Psychotherapeuten steht jetzt fest, dass sie die Kosten für die Anbindung ihrer Praxis an die neue Telematikinfrastruktur (TI) erstattet bekommen. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich unter Moderation des Bundesschiedsamtes im Mai auf die Eckpunkte für eine entsprechende Vereinbarung verständigt. Die Vereinbarung gilt ab dem 1. Juli 2017. Bei Veränderungen auf dem Markt - insbesondere bei der preislichen Entwicklung der technischen Komponenten - soll die Vereinbarung angepasst werden.

Unser wichtigstes Ziel war es, dass die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen nicht auf Kosten sitzen bleiben, die ihnen durch die gesetzlich vorgeschriebene Anbindung an die sektorenübergreifende Telematikinfrastruktur entstehen. Dieses Ziel haben wir erreicht, betonte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands Dr. Doris Pfeiffer sprach von einer guten Lösung auf dem Weg zu einer modernen IT-Infrastruktur für das Gesundheitswesen, die gemeinsam gefunden worden sei.

Erstattungen


Erwartet wird, dass die derzeit noch recht hohen Kosten für den Konnektor sinken werden, wenn Alternativgeräte auf den Markt kommen. Dem wurde dadurch Rechnung getragen, dass es hierfür eine gestaffelte Kostenerstattung geben wird - abhängig vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Gerätes in der Praxis.

Die Eckpunkte sehen vor, dass Praxen mit bis zu drei Ärzten für einen Konnektor (mit Funktion für die qualifizierte elektronische Signatur) und neue stationäre Kartenterminals ab Juli 3.055 Euro erhalten. Dieser Betrag gilt für das dritte Quartal 2017. In den drei Folgequartalen sinkt der Betrag, da der für den Konnektor inkludierte Preis jedes Quartal um jeweils zehn Prozent abgesenkt wird. Insgesamt etwas höher fällt der vereinbarte Erstattungsbetrag aus, wenn mehr als drei Ärzte oder Psychotherapeuten (Vollzeitäquivalente) in einer Praxis arbeiten, da dort gegebenenfalls mehrere stationäre Kartenterminals benötigt werden.

Bis Ende Juni 2018, so schreibt es das E-Health-Gesetz vor, sollen dann alle Praxen mit der neuen Technik ausgestattet sein. Der Erstattungsbetrag beträgt ab dem 3. Quartal 2018) je nach Praxisgröße 1.155 Euro bis 2.025 Euro. KBV und Krankenkassen gehen davon aus, dass sich die Preise für die benötigte Technik in den kommenden Monaten entsprechend entwickeln.

Quartal der Vergütung in Euro
erstmaligen Anzahl der Ärzte in der Praxis (Vollzeitäquivalente)
Nutzung*< = 3 > 3 bis < = 6 > 6
3/2017  3055,00 3490,00  3925,00
4/2017 2793,00 3228,00  3663,00
1/2018  2557,20 2992,20  3427,20
2/2018  2344,98 2779,98  3214,98
ab 3/20181155,00 1590,00  2025,00

Tab. 1
Konnektor inklusive Funktion für qualifizierte elektronische Signatur und stationäre Kartenterminals


* Für die Praxen ist zu beachten, dass für die Höhe der Pauschale nicht das Quartal der Bestellung des Konnektors, sondern das Quartal der erstmaligen Nutzung des Konnektors relevant ist. Das heißt, es gilt das Quartal, in dem in der Praxis der erste Online-Abgleich der Versichertenstammdaten erfolgt ist.

KBV und GKV-Spitzenverband haben ferner einen Erstattungsbetrag für die neuen mobilen Kartenterminals in Höhe von 350 Euro vereinbart. Anspruch haben Ärzte, die in der Vergangenheit mindestens drei Haus- beziehungsweise Heimbesuche im Quartal durchführen oder an einem Kooperationsvertrag zur ambulanten Behandlung in stationären Pflegeeinrichtungen teilnehmen. Der Betrag wird dann je Vertragsarzt mit mindestens halber Zulassung gezahlt. Ausgelagerte Praxisstätten erhalten unabhängig davon ein mobiles Kartenterminal, damit sie sich keinen Konnektor anschaffen müssen.

Darüber hinaus erhalten Ärzte und Psychotherapeuten eine einmalige Startpauschale von 900 Euro. Damit werden vor allem Kosten erstattet, die im Zusammenhang mit der technischen Ausstattung stehen, zum Beispiel für den Praxisausfall während der Installation des Konnektors und für die Kosten der Anpassung des Praxisverwaltungssystems.

Laufende Betriebskosten


Auch für die Finanzierung des laufenden Betriebs erhalten die Praxen eine Erstattung: Die Betriebskostenpauschale für die Wartung der Technik und deren Updates beträgt vom dritten Quartal 2017 bis zum zweiten Quartal des kommenden Jahres 298 Euro je Quartal, danach nur noch 248 Euro je Quartal. Zudem werden auch die Betriebskosten für den Praxisausweis in Form der SMC-B Smartcard (23,25 Euro/Quartal und Karte) sowie den Arztausweis in Form der HBA Smartcard (11,63 Euro/Quartal und Karte) vergütet.

Auf welche Erstattungen eine Praxis Anspruch hat, wird die KVN vorab ermitteln und den Praxen mitteilen. In diesem Zuge erhalten die Praxen auch Formulare für die Erstattungsanträge. Die Anträge können aber erst nach erfolgreichem Anschluss einer Praxis an die Infrastruktur gestellt werden. Die KVN wird in den kommenden Wochen sukzessive über die kommenden Schritte des Rollouts informieren. Dies geschieht durch persönliche Anschreiben und Informationen im KVN-Rundschreiben, im niedersächsischen ärzteblatt und auf den Internetseiten.

Verfasser/in:

KVN


Dr. med. Ulrich von Hinüber
Berufsverband Deutscher Rheumatologen




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Ausführliche Informationen zum Stand des TI-Rollouts stellt die KVN auf ihrer Website unter http://www.kvn.de - Praxis - TI-Rollout für die Arztpraxis bereit.
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Die TI-Hotline ist zu unseren üblichen Servicezeiten
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Das benötigen die Praxen


Um die Telematikinfrastruktur (TI) nutzen zu können, benötigen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verschiedene Komponenten und Dienste:

Konnektor
Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor - ähnlich einem DSL-Router, allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem Praxisverwaltungssystem per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement.

Kartenterminals, eHBA und SMC-B
Mit den Kartenterminals werden die elektronische Gesundheitskarte (eGK), der elektronische Heilberufsausweis (eHBA) und die Praxis- beziehungsweise Institutionskarte Security Module Card Typ B (SMC-B) eingelesen. Nur wenn die Praxis mittels SMC-B registriert ist, kann der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen. Auch mit dem eHBA und der SMC-B sind für die Praxen Kosten verbunden.

Mobile Kartenterminals
Mobile Kartenterminals ermöglichen den Vertragsärzten, zum Beispiel bei Hausbesuchen abrechnungsrelevante Versichertenstammdaten zu lesen und zwischenzuspeichern. Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird eine SMC-B-Card oder ein eHBA zur Identifikation benötigt.

Anpassung PVS
Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, damit das Auslesen und gegebenenfalls Aktualisieren der Versichertendaten auf der eGK möglich ist.


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