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nä 06/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Arzneimittel & Veror

Ausreichender Rötelnschutz?

Ist ein ausreichender Impfschutz nicht nachvollziehbar, kann ohne serologische Testung geimpft werden


 


Anfrage an ATIS
Herr Dr. R., Allgemein- und Kinderarzt, schreibt zum ATIS-Artikel "MMR-Impfung der stillenden Mutter möglich?" im Niedersächsischen Ärzteblatt März 2017 (1): "Es ging u.a. um die Indikation zur Impfung gegen Röteln nach Schwangerschaft. Es wird nicht dargelegt, warum die Bestimmung des Rötelntiters - ggf. mit welcher Methode - nicht ebenfalls zur Indikationsstellung herangezogen werden kann oder warum nicht einfach ´blind´ geimpft werden kann. Impfpässe gehen ja bekanntlich häufig verloren."

Antwort von ATIS
Gegenstand des ATIS-Artikels im März 2017 war die Masern-Mumps-Röteln-(MMR)-Impfung während der Stillzeit (1). Die Empfehlung lautete, dass die MMR-Impfung der stillenden Mutter möglich ist. Im beschriebenen Fall sollte die stillende Mutter die MMR-Impfung aufgrund eines nicht ausreichenden Röteln-Antikörpertiters erhalten; der Impfstatus der stillenden Mutter war der anfragenden Kinderärztin nicht bekannt. Da laut aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) nach zweimaliger dokumentierter MMR-Impfung die Bestimmung des Röteln-Antikörpertiters entbehrlich ist, empfahlen wir, den Impfstatus der Mutter und die Notwendigkeit einer MMR-Impfung zunächst zu überprüfen (Impfpass, ggf. Nachfrage bei vorbehandelnden Ärzten). Zur wissenschaftlichen Begründung der seit 2010 geltenden RKI-Empfehlungen bezüglich des Röteln-Antikörpertiters verweisen wir auf die zitierte Literatur (2, 3).

Wenn ein ausreichender Impfschutz nicht nachvollziehbar ist, kann ohne serologische Testung ("blind") geimpft werden. Zum Vorgehen bei fehlender Impfdokumentation ist auch in dem zitierten Bulletin des RKI zu entnehmen (3): "Häufig ist der Arzt damit konfrontiert, dass Impfdokumente fehlen, nicht auffindbar oder lückenhaft sind. Dies ist kein Grund, notwendige Impfungen zu verschieben, fehlende Impfungen nicht nachzuholen oder eine Grundimmunisierung nicht zu beginnen. Von zusätzlichen Impfungen bei bereits bestehendem Impfschutz geht kein besonderes Risiko aus. Dies gilt auch für Mehrfachimpfungen mit Lebendvirusimpfstoffen. Serologische Kontrollen zur überprüfung des Impfschutzes sind nur in Ausnahmefallen angezeigt (z. B. Anti-HBs bei Risikopersonen); zum Nachweis vorausgegangener Impfungen bei unklarem Impfstatus sind serologische Kontrollen im Allgemeinen nicht sinnvoll" (3).

Kommentar

Wir nehmen die aktuelle Anfrage zum Anlass, die Indikationsstellung zur Röteln-Impfung anhand von vier Fallbeispielen bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter zu verdeutlichen :

Indikationsstellung zur Röteln-Impfung (2, 3, 4)

- Fall 1 Keine dokumentierte Röteln-Impfung: Zwei Impfungen mit MMR-Impfstoff im Mindestabstand von vier Wochen.
- Fall 2 Eine dokumentierte Rötelnimpfung: Eine Impfung mit MMR-Impfstoff.
- Fall 3 Zwei dokumentierte Röteln-Impfungen: Keine weitere Impfung sowie keine Titerkontrolle erforderlich.
- Fall 4 Vorliegendes Laborergebnis grenzwertiger oder negativer Röteln-IgG: Sind zwei Röteln-Impfungen dokumentiert, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich, da von einer zellvermittelten Immunität ausgegangen werden kann. Darüber hinaus wurde bei gesunden zweimalig Geimpften kein Fall eines kongenitalen Rötelnsyndroms beobachtet. Liegt nur eine oder keine dokumentierte Impfung vor, wird der Impfstatus entsprechend ergänzt.


Grundsätzlich sollten alle Frauen außerdem über einen Impfschutz gegen Masern und Mumps verfügen. Fehlende Impfungen können mit MMR- oder ggf. MMRV-Impfstoff ergänzt werden, auch wenn bereits Immunität gegen eines oder mehrere der Viren vorliegt.


Verfasser/in:
PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover

Dr. med. Kristine Chobanyan-Jürgens
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover


Dr. Ute Arndt
Deutsches Grünes Kreuz e.V.
Marburg



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Literatur

1. Chobanyan-Jürgens K, Arndt U, Stichtenoth DO. MMR-Impfung der stillenden Mutter? Stillende dürfen mit Ausnahme der Gelbfieberimpfung alle von der STIKO empfohlenen Impfungen erhalten. Niedersächsisches Ärzteblatt 2017; 3: 36-37
2. Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts, Nr. 33 /2010 [https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2010/Ausgaben/33_10.pdf%3F__blob%3DpublicationFile ]
3. Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts, Nr. 34/2016 [https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/Ausgaben/34_16.pdf?__blob=publicationFile ]
4. S2k-Leitlinie "Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen" [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/093-001.html ]

Kontakt

Alle Anfragen zur Arzneimitteltherapie können auf folgendem Wege an ATIS gestellt werden: Vorzugsweise per Fax: 0511 380-1003462. Telefon: 0511 380-3222. Postanschrift: KV Niedersachsen, z.H. Frau Dr. Friederike Laidig, Berliner Allee 22, 30175 Hannover. Die ATIS-Homepage mit elektronischem Anfrageformular ist im KVN-Mitgliederportal unter Verordnungen > Arzneimittel > therapeutische Informationen zu finden. Wir bitten aus organisatorischen Gründen, Anfragen an die genannte KVN-Adresse zu richten. Ihre Anfrage wird dann entweder dort direkt beantwortet oder an das Institut für Klinische Pharmakologie der MHH weitergeleitet.


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