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nä 06/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

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Gemeinsam in eine schwierige Zukunft

Sozialministerin Cornelia Rundt und KVN-Chef Mark Barjenbruch präsentieren Maßnahmenpaket zur Stärkung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum


 


Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, haben am 15. Mai in Hannover ein Maßnahmenpaket vorgestellt, mit dem die ärztliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen zukunftsfest aufgestellt wird. Mit Ihrer Unterschrift unter das "Konzept zur Zukunft der vertragsärztlichen Versorgung 2030" haben sie ihre Entschlossenheit dazu dokumentiert. Die Landärzteförderung, das Stipendienprogramm für Medizinstudentinnen und -studenten oder neue Möglichkeiten für die Gründung Kommunaler Versorgungszentren im ländlichen Raum sind nur einzelne der vielen aufgeführten Maßnahmen.

Wichtig sei eine gute Abstimmung zwischen der KVN und dem Land Niedersachsen, um dafür zu sorgen, dass gemeinsam die Versorgung sichergestellt wird, betonte die Niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt. Sie umriss die Problemlage: In der Bedarfsplanung der KVN bis 2030 zeichne sich ien Trend zur Teilzeitarbeit und zur Niederlassung hauptsächlich von Fachärzten ab. "In 2030 wird es 18 Prozent weniger Hausärzte geben als heute, die Differenz zum von den Planungszahlen vorgegebenen Bedarf wird 20 Prozent betragen. Es ist wichtig, dass wir uns hier aufstellen." Ziel der Zusammenarbeit sei nicht nur die gemeinsame Analyse, sondern, Maßnahmen strukturiert miteinander abzustimmen.

Unter der überschrift "Gut versorgt in Niedersachsen" stellte die Ministerin verschiedene vorbildliche Initiativen der Kampagne vor, mit denen die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen verbessert wird und die mustergültig auch für andere Regionen sind. "Die meisten Menschen wollen weiter in ihrem bekannten Umfeld leben, auch wenn sie pflegebedürftig werden", sagte Ministerin Rundt. "Wir haben in Niedersachsen zukunftsweisende und spannende Wohn- und Versorgungsmodelle entwickelt. Das Ziel ist, diese bekannter zu machen und nach Möglichkeit auch in anderen Regionen zu initiieren, sodass alle Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen davon profitieren."

So werden z.B. im Landkreis Leer mobilitätseingeschränkte Menschen aus dem Umland mit "Patientenmobilen" zur Ärztin bzw. zum Arzt in der Stadt gebracht. KVN, Landkreis Leer und die Weser-Ems-Bus GmbH haben gerade erst zusammen mit Ministerin Rundt die Ausweitung des Projekts auf weitere Gemeinden bekannt gegeben.

Das Umfeld mit einbeziehen


"Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung auf dem Land steht im Fokus der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen", so der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch. "Durch verschiedene Maßnahmen der KVN ist ein breiter Katalog entstanden, der die Attraktivität des Arztberufs erhöht - verschiedene Anreize sollen Ärztinnen und Ärzte dazu bewegen, sich in ländlichen Regionen niederzulassen. Diese Maßnahmen hat die KVN unter dem Motto ´Niederlassen für die Menschen in Niedersachsen´ gebündelt. Sie sollen die Versorgung der Menschen auf dem Land stabilisieren." Alle Partner im niedersächsischen Gesundheitswesen dürften nicht in ihrem gemeinsamen Bemühen nachlassen, eine flächendeckende ärztliche Versorgung für die Menschen in Niedersachsen zu erhalten.

Das gemeinsame Papier von KVN und Land Niedersachsen bekräftige dieses Bemühen. "Es ist wichtig, Partnerschaften einzugehen", betonte der KVN-Chef. Denn hinter den Ärzten, die man für das Land gewinnen müsse, stünden Familien mit ihren Erwartungen an Schulen, Versorgung, Lebensqualität. "Es kommt darauf an, die Infrastruktur in den Gemeinden zu stärken, die Schulen, die Einkaufsmöglichkeiten, die Verkehrswege. Wir brauchen einen Partner, der dafür zuständig ist - das Land Niedesachsen."

Weitgespannte Förderungen


Um eine hochwertige und flächendeckende Versorgung in Niedersachsen sicherzustellen, hat die Landesregierung verschiedene weitere Maßnahmen ergriffen: So werden beispielsweise in den Jahren 2016 bis 2020 insgesamt 1,3 Milliarden Euro für Investitionen in Niedersachsens Krankenhäuser bereitgestellt, mit denen eine flächendeckende Versorgung durch Kliniken sichergestellt werden kann. Das ist ein starker Anstieg gegenüber den in den vielen Jahren zuvor jährlich bereitgestellten Investitionsmitteln.

Inzwischen gibt es zudem im ganzen Land 31 "Gesundheitsregionen Niedersachsen", in denen neue Versorgungsmodelle insbesondere für den ländlichen Raum entwickelt werden. Auch hier arbeiten KVN und Sozialministerium eng zusammen.

Die Ärzte entlasten


"Der Arzt ist der Engpassfaktor", stellte Sozialministerin Cornelia Rundt fest. Zentrale Frage sei daher: "Wie schaffen wir es, Ärzte zu entlasten?" Ein Weg sei es, medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte dafür einzusetzen. Sie könnten in mobilen Einsätzen bestimmte ärztliche Leistungen in Abstimmung mit den Ärzten substituieren. Dazu müsse die Pflege im ländlichen Raum gestärkt werden.

Auch die Digitalisierung in der Medizin sei ein "Riesenthema", räumten sowohl Rundt wie auch Barjenbruch auf Nachfrage ein. Die Sozialministerin nannte als Beispiel das "Offshore"-Projekt der Kliniken in Oldenburg, das computergestützte Hilfe bei Unfällen auf ölbohrplattformen in der Nordsee zur Erstversorgung ermöglicht. KVN-Chef Barjenbruch verwies auf selbstfahrende Busse, die möglicherweise einmal zum Patiententransport eingesetzt werden könnten. Die Videosprechstunde könne zukünftig vielleicht dazu beitragen, die Notfallversorgung zu entlasten. über den direkten Online-Kontakt wäre der Notarzt dann in der Lage, die Dringlichkeit eines Falles zu beurteilen, bevor sich der Patient von sich aus auf den Weg in die Klinik macht. "Man wird viel können, was jetzt nicht vorstellbar ist", zeigte sich Barjenbruch überzeugt.

Doch strukturelle Veränderungen stehen ganz oben auf der Agenda. "Unser Ziel ist es, die strikte Trennung zwischen stationärer und ambulanter Behandlung aufzubrechen und die verschiedenen Akteure im Gesundheitssektor zur Kooperation zu animieren - so lässt sich auch in dünn besiedelten Gebieten eine gute Versorgung der Patientinnen und Patienten sowie der Pflegebedürftigen langfristig sicherstellen." Auf weitere Sicht setzt die Ministerin dabei auch auf den "Masterplan 2020" zur Einrichtung von mehr Medizinstudienplätzen und zur Vergabe von Stipendien an Medizinstudierende, die sich verpflichten, als Ärzte später in unterversorgten Gebieten zu praktizieren. Sie räumte aber ein, dass in dieser Frage auch das Land Niedersachsen an seine Grenzen stoße: "Das ist eine Frage der Finanzen. Hier muss der Bund mit hinzu kommen."

Verfasser/in:
Dr. Uwe Köster
Pressestelle der KVN
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