Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Berliner Allee 20
30175 Hannover
info@haeverlag.de
nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Selbstverwaltung

Im Notfall immer auf der richtigen Seite

Eine neue Notfall-Triage-Praxis in der Notaufnahme des Klinikums Braunschweig soll Notaufnahme entlasten. Bemerkenswert: Die Klinikärzte dürfen dafür ambulant abrechnen – ein wirklich sektorenüberschreitendes Modell


 


Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) unterstützt das Klinikum Braunschweig bei der Einrichtung einer "Notfall-Triage-Praxis" (NTP). Im Rahmen eines Modellprojekts sollen künftig Ärzte für eine hausärztliche Erstbegutachtung zusätzlich zu den anderen Fachdisziplinen in der Zentralen Notaufnahme des Klinikums eingesetzt werden. Diese Ärzte werden im Klinikum angestellt sein und sollen für eine schnellere Versorgung von Patienten sorgen, die nicht stationär behandelt werden müssen.

Im Klinikum Braunschweig wächst, wie praktisch überall in Deutschland, von Jahr zu Jahr die Zahl der Patienten. Viele Hilfesuchende kommen vor allem tagsüber - obwohl in der Mehrzahl der Fälle niedergelassene Haus- oder Fachärzte die richtigen Ansprechpartner wären. Dennoch kann das Klinikum diese Patienten nicht abweisen. Es nimmt vielmehr gleich bei ihrer Ankunft in der Notaufnahme eine Triage nach dem EASY-System vor. Patienten, die einer stationären Versorgung bedürfen, werden dann schnellstmöglich behandelt. Für die anderen heißt es dagegen: Warten. Eine Belastung für die Patienten und die Ärzte in der Notaufnahme gleichermaßen.
Hier setzt künftig die Notfall-Triage-Praxis ein. Gemeinsame Auswertungen der KVN und Klinikums haben ergeben, dass die Hauptinanspruchnahme der Notaufnahme durch ambulante Notfälle in der Mittagszeit erfolgt. Die zusätzlich vom Klinikum eingestellten Ärzte sollen daher in Zukunft in der Zeit von 11 Uhr bis 14 Uhr in den Räumen der KVN-Bereitschaftsdienstpraxis bei den dorthin geleiteten Patienten eine Akutversorgung vornehmen. Danach werden die Patienten nach Hause entlassen oder zu niedergelassenen Ärzten weitergeleitet.

Zu einem wirklich sektorenübergreifenden Projekt wird die NTP dadurch, dass die Abrechnung für diese Akutversorgung nach EBM über die Kassenärztliche Vereinigung erfolgt. "Wir haben festgestellt, dass die Versorgung solcher Patienten meist im Rahmen eines engbegrenzen EBM-Zifferbereiches bleibt", so Stefan Hofmann, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Braunschweig. Die Triage-Ärzte werden sich bei ihrer Patientenversorgung auf diesen engen EBM-Ziffernkranz beschränken. "Die Abrechnung dieser Leistungen erfolgt zwar über den ambulanten Honorartopf, allerdings im Wege des Vorwegabzugs für den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, erklärt Thorsten Kleinschmidt, Bezirksausschuss-Vorsitzender der KVN. "Diese Vergütungen würde das Krankenhaus ohnehin mit den Krankenkassen abrechnen, die es dann aus der ambulanten Notfallvergütung im Vorwegabzug wieder zurückfordern."

Sowohl Dr. Kleinschmidt wie auch der Ärztliche Direktor des Klinikums Braunschweig, Dr. Thomas Bartkiewicz, betonen, dass die NTP keinen Ersatz für eine reguläre niedergelassene Hausarztpraxis darstellen wird: Es wird keine offene Sprechstunde geben, es wird Diagnostik betrieben, es werden keine Folgetermine vereinbart. Bei Bedarf erfolgt eine überweisung zum Haus- oder Facharzt. Beide erwarten zudem eine engere Zusammenarbeit zwischen Klinik- und Vertragsärzten. Das Modellprojekt hat zunächst eine Laufzeit von drei Jahren und wird von den Vertragspartnern evaluiert.

Verfasser/in:

KVN




inhalt 04/ 17
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2017. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 15.04.2017.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung