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aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Arzneimittel & Veror

Noch einmal: Interaktionen zwischen Dimethylfumarat und oraler Kontrazeption

Keine allgemeine Empfehlung zum Wechsel auf nicht-hormonelle Verhütungsmethoden


 


Der im Februar 2017 im niedersächsischen ärzteblatt erschienene ATIS-Artikel "Interaktionen Dimethylfumarat - orale Kontrazeptiva?" erhielt im Titel den redaktionellen Zusatz "Bei Therapie mit Dimethylfumarat auf nicht-hormonelle Verhütungsmethoden wechseln". Diese Empfehlung entspricht nicht den im Beitrag dargestellten Sachverhalten. Folgende Interaktionen zwischen Dimethylfumarat oder anderen Multiple-Sklerose-Therapeutika mit oralen Kontrazeptiva wurden beschrieben (1):

- Dimethylfumarat, Alemtuzumab, Azathioprin, Daclizumab, Fingolimod, Glatirameracetat, Interferon beta-1a und beta-1b, Mitoxantron, Natalizumab und Teriflunomid führen sehr häufig zu gastrointestinalen Nebenwirkungen, insbesondere Diarrhoe, übelkeit und Erbrechen. Dadurch kann die Resorption und somit die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva reduziert oder aufgehoben werden.
- Bei Therapie mit einem der aufgeführten Multiple-Sklerose-Therapeutika und einem oralen Kontrazeptivum können sich deren Nebenwirkungen addieren.

Diese möglichen Wechselwirkungen sind bei Therapieplanung, Aufklärung und Therapiekontrollen zu berücksichtigen; eine grundsätzliche Empfehlung zum Wechsel auf nicht-hormonelle Verhütungsmethoden ergibt sich jedoch nicht. Dies sei an zwei typischen Therapiesituationen verdeutlicht:

A) Beginn einer Therapie mit Dimethylfumarat bei bestehender oraler Kontrazeption: Bei der Aufklärung der Patientin sollte auf die verminderte Aufnahme von Sexualhormonen bei Erbrechen/Durchfall hingewiesen werden; gegebenenfalls ist eine zusätzliche nicht-hormonelle Verhütungsmethode notwendig.

B) Bestehende, gut verträgliche Therapie mit Dimethylfumarat und Indikation zur oralen Kontrazeption: Die orale Kontrazeption ist unter Aufklärung wie unter A) beschrieben möglich. In beiden Situationen ist bei der Therapiekontrolle das erhöhte Risiko von Nebenwirkungen wie Leberfunktionsstörungen, Hypertonie oder depressive Verstimmungen infolge der oben genannten unspezifischen pharmakodynamischen Interaktion zu berücksichtigen.

Verfasser/in:
PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover

Hannah Lemper
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover.




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Literatur

1 Stichtenoth DO, Lemper H. Bei Therapie mit Dimethylfumarat auf nicht-hormonelle Verhütungsmethoden wechseln. Atis informiert: Interaktionen Dimethylfumarat - orale Kontrazeptiva? Auf GI-Nebenwirkungen von Dimethylfumarat achten, die die Wirksamkeit oraler Kontrazeptiva aufheben können. niedersächsisches ärzteblatt 2017; 2: 52-53
2 Fachinformation; Fachinfo CD, BPI Service GmbH 2016.
3 S2e-Leitlinie "Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose". Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). [http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-050.html]


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