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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Praxis & Versorgung

Gesundheitswesen goes Digital


 

Welches Potential liegt in der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung? Welche Projekte gibt es in Niedersachsen? Mit diesen Fragen haben sich Fachleute auf einer Veranstaltung der Techniker Krankenkasse am 29. März 2017 in Hannover beschäftigt.

Die digitale Zukunft hat auch im Gesundheitswesen begonnen und erfährt trotz häufig geäußerter Datenschutzbedenken großen Zuspruch, so Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen. Digitale Technologien hätten sich längst etabliert - auch bei Patienten. "Eine Umfrage der TK hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten online mit ihrem Haus- oder Facharzt in Verbindung treten wollen. 98 Prozent davon würden ihre Arzttermine über das Netz buchen, 81 Prozent befürworten die Online-Zusendung regelmäßiger Arzneimittelrezepte und 68 Prozent können sich vorstellen, zu Hause ermittelte Messwerte online an den Arzt weiterzuleiten," so Holldorf.
Claudia Schröder, Abteilungsleiterin Gesundheit und Prävention im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, sieht im deutschen Gesundheitswesen einen gewissen Nachholbedarf beim Thema "Digitalisierung". Trotzdem gebe es in Niedersachsen bereits zahlreiche Projekte, die es Menschen ermöglichten, im eigenen Lebensumfeld trotz Krankheit ein selbstverantwortetes Leben zu organisieren. "Klar ist, dass Telematikanwendungen den Patientinnen und Patienten dienen müssen und nicht umgekehrt. Sie können dazu dienen, eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung zu unterstützen und gerade auch im ländlichen Raum qualitativ hochwertige Leistungen im Gesundheitsbereich schnell erreichbar zu machen", so Schröder.

Für Nino Mangiapane, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, gibt es drei große Chancenfelder im Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Erstens: Mehr Menschen könnten dank der neuen Techniken ein selbstbestimmtes Leben in ihrem Wohn- und Lebensumfeld führen. Zweitens: Durch die Anwendung von Telemedizin seien Fachkräftepotentiale im Gesundheitswesen besser auszuschöpfen. Drittens: Die Versorgung an den Schnittstellen des Gesundheitswesens könne effektiver gestaltet werden. Das grundsätzliche Problem bei der Koordination seien die unterschiedlichen Schnittstellen.
Klaus Rupp stellte die digitale Agenda der TK vor. Die TK setzt im Bereich der Mitgliederbetreuung auf Apps. Exemplarisch beschrieb er folgende Anwendungen: Mitglieder-App, ICD-Diagnoseauskunft-App, Allergie-App, Diabetes-Tagebuch-App und Migräne-App.

Die Frage, wie die Evidenz und die Akzeptanz digitaler Anwendungen bei den Nutzern ist, beantwortete Dr. Christoph Dockweiler, Lehrbeauftragter eHealth und Telemedizin der Universität Bielefeld. Forschung und Entwicklung dürfe nicht top down erfolgen. Fragen einer bedarfs- und bedürfnisgerechten Einführung und Nutzung von Versorgungstechnologien ließen sich nicht allein durch die Prämisse des "technisch Möglichen" lösen. Dr. Dockweiler wörtlich: "Digitale Gesundheitsangebote müssen sich stärker am technisch Notwendigen orientieren."

Antje Niemeyer, IBM Watson Health Leader für Deutschland, österreich und Schweiz, ging auf kognitive Assistenzsysteme im Gesundheitsmarkt ein. IBM Watson Health wurde 2015 als eigenes Geschäftsfeld gegründet. Ziel ist es, Erkenntnisse und Muster aufzuzeigen, die heute noch nicht erkannt werden können. Ein Beispiel ist das Zusammenführen von publiziertem Wissen und individuellen Daten, beispielsweise für die Krebstherapie. Kognitive Systeme können Inhalte verstehen und Muster erkennen. So kann Watson beispielsweise Onkologen helfen, bessere Behandlungsmöglichkeiten zu identifizieren und individuelle Krebsbehandlungspläne zu erstellen.

Kristiina Omri, Wirtschafts- und Handelsdiplomatin der Botschaft Estland in Berlin, stellte die digitale Gesundheitsversorgung Estlands vor. Das estnische Gesundheitswesen ist eines der am stärksten digitalisierten Gesundheitswesen der Welt. Es sei aber nicht so, dass es unter estnischen Ärzten oder Gesundheitspolitikern ganz spezielle Affinität zur digitalen Kommunikation gebe, betonte Omri. Vielmehr sei die estnische Gesellschaft eine weitgehend digitale Gesellschaft. "Was wir im Gesundheitswesen erreicht haben, funktioniert auch in vielen anderen Bereichen", so die Diplomatin. Das estnische Patientenportal und die darüber zugängliche, übergreifende elektronische Gesundheitsakte seien das Herzstück des digitalisierten Gesundheitswesens in Estland. Dazu kämen zahlreiche digitale Dienstleistungen für Ärzte und Patienten, die sich großer Beliebtheit erfreuten.

Dr. Thomas Bartkiewicz, Ärztlicher Direktor des Klinikums Braunschweig, stellte den Weg der Digitalisierung des Krankenhauses dar. Alle Dokumente des Krankenhauses würden elektronisch erzeugt und im IT-Verbund als digitale Patientenakte verwaltet. Durch die Digitalisierung würden Prozesse verkürzt und Mitarbeiter entlastet.

Verfasser/in:
Detlef Haffke
Pressesprecher der KVN
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