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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Praxis & Versorgung

Wundheilung per Smartphone

Chronische Wunden heilen besser, wenn sie von Spezialisten behandelt werden. Dank eines Telemedizinprojekts kommt das Expertenwissen allen Betroffenen zu Gute unabhängig von Wohnort und Infrastruktur


 


ln Deutschland leiden bis zu 1,5 Millionen Menschen unter Wunden, die nicht verheilen. Neben körperlichen Einschränkungen verursachen chronische Wunden Schmerzen - der Leidensdruck der Patienten ist hoch. Darüber hinaus stellen die hohen Kosten für chronische Wunden auch ein gesundheitsökonomisches Problem dar. Für eine sachgerechte Diagnostik, kausale Therapie und zielgerichtete Langzeitversorgung ist eine interdisziplinäre Expertise erforderlich, wie sie in der Versorgung durch Hausärzte und Pflegedienste meist nicht bereitgestellt werden kann. Dementsprechend wird die höchste Versorgungsqualität vor allem in Metropolregionen und dort in erster Linie durch Spezialversorger erzielt.

Die DAK-Gesundheit hat den Anspruch, dass möglichst viele Wundpatienten von der hohen Behandlungsqualität eines solchen Spezialversorgers profitieren - unabhängig vom Wohnort und den infrastrukturellen Voraussetzungen. Auch Patienten in ländlichen Regionen sollen einen gleichberechtigten Zugang zur spezialisierten Behandlung bekommen. Möglich wird das durch die Zusammenarbeit mit den Experten des Comprehensive Wound Centers (CWC) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Denn spezialisierte Wundversorgungszentren wie das CWC haben sich als leistungsfähige und effiziente Versorgungseinheiten für schlecht heilende Wunden erwiesen. Dies belegen internationale Studien.

Das CWC ist eines der europaweit differenziertesten und erfahrensten interdisziplinären Zentren in der Versorgung chronischer Wunden. Wöchentlich führen hier Fachärzte für Dermatologie, Gefäß- und plastische Chirurgie gemeinsame Visiten durch - im Sinne einer ganzheitlichen, zielgerichteten Versorgung der Patienten. Das CWC ist gut vernetzt und unterstützt Kliniken, niedergelassene Ärzte und Pflegedienste im gesamten Bundesgebiet. Da auch die Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie eng an das Zentrum angebunden sind, wird die klinische Versorgung mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen laufend optimiert.

Aufgrund der hohen Versorgungsqualität hat die DAK-Gesundheit mit dem CWC ein Pilotprojekt zur Behandlung chronischer Wunden in der Gesundheitsmetropolregion Ham­burg gestartet. Kern des Projektes ist die telemedizinische Vernetzung zwischen den Wundpraxen, Hausärzten und Pflegediensten am Wohnort des Patienten und den Fachärzten am Universitätsklinikum Eppendorf. Die Patienten sind regelmäßig über ein Smartphone im direkten Kontakt mit den Spezialisten. Erfahrungsgemäß wird die Compliance der Patienten durch die selbstständige Mitwirkung unterstützt. Voraussetzung für die Projektteilnahme ist Iediglich das Einverständnis des Patienten, das nach ausführlicher Beratung eingeholt wird.

Alle Teilnehmer am Projekt erhalten für die Dauer der telemedizinischen Behandlung ein Smartphone. Die Patienten fotografieren ihre Wunde mit dem Smartphone und schicken das Bild zusammen mit einem Schmerzscore über eine datenschutzsichere lnternetverbindung an die UKE-Ärzte. ln einer sogenannten Televisite begutachten die Wundexperten das Foto. Trifft die Sendung nicht pünktlich ein, wird nachgefragt. lm UKE werden alle Daten archiviert. Die ambulanten Kooperationspartner und die Patienten erhalten eine Rückmeldung per Telefon, Mail oder Fax. Der Patient entscheidet dabei bewusst über die Art und Weise der Verwendung seiner Daten. Er bleibt im Mittelpunkt der Versorgung und ist Dreh- und Angelpunkt der telemedizinischen Vernetzung.

Neben der telemedizinischen Vernetzung unterstützt die DAK-Gesundheit Patienten, Hausärzte und Pflegedienste auch persönlich mit einer spezialisierten Wundfachberatung. Rund 2.100 der insgesamt ca. 9.000 betroffenen Versicherten haben das Angebot innerhalb des ersten Jahres schon genutzt, 1.000 weitere werden bereits in spezialisierten Wundzentren behandelt. Sie profitieren von einer vernetzten Behandlung rnit modernen Wundauflagen und einer ganzheitlichen Beratung zu Themen wie Ernährung, Bewegung und Pflege. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Wunden im Schnitt drei Monate schneller heilen und sich die Zahl der wöchentlichen Verbandwechsel halbiert.


Verfasser/in:

DAK-Gesundheit




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