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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Praxis & Versorgung

Kurze Blickkontrollen genügen


 

Die Digitalisierung der Arbeitswelt macht auch vor der Medizin nicht halt: Telemedizin und das E-Health-Gesetz sind nur einige der Stichworte. Und jetzt kommt noch die Video-Online- Sprechstunde.

Diese wird in Umfragen von den vor allem jüngeren Patienten wohlwollend wahrgenommen, als zusätzliche Möglichkeit online mit dem Arzt in Kontakt zu treten. Und mehr als mit dem Telefongespräch hat man mit diesem Tool die Möglichkeit, persönlich von Angesicht zu Angesicht miteinander auch per Blickkontakt zu kommunizieren.

Mobilitätseinschränkungen können damit überbrückt werden, kurze Blickkontrollen z.B. auf Wunden sparen den Gang in die Praxis und Wartezeit im (vollen) Wartezimmer. Auf dem Land mit zum Teil weiten Anfahrtswegen spart auch der Arzt Zeit und Wege, in Zukunft mit drohenden Versorgungslücken kann die Video-Online-Sprechstunde ärztliche Beratung möglich machen.

Die Technik dafür ist einfach anzuwenden, auch ohne große IT-Kenntnisse und auch ohne größeren Aufwand für den Patienten bei vertretbaren Kosten für den Arzt. Dabei soll die Video-Online-Sprechstunde eine Ergänzung sein und das ärztliche Gespräch mit dem persönlichen Kontakt und der Notwendigkeit der körperlichen Untersuchung nicht ersetzen.

Im Moment steht diese Online-Möglichkeit am Anfang der Entwicklung und des Einsatzes, zumindest in Deutschland. In anderen Länder ist der "Chat" mit dem Arzt schon gang und gäbe. Mit dem Fernbehandlungsverbot und dem emotionalen Faktor "Gesundheit" ist man sowohl von Arzt- als auch von Patientseite zur Zeit noch zurückhaltend mit der Online-Sprechstunde. Mit zunehmender Erfahrung und Umgang mit der Technik sowie den gesetzlichen Rahmenbedingungen und Abrechnungsmöglichkeiten durch die KV wird die Online-Sprechstunde sicherlich Einzug in den Praxisalltag finden. Und wenn die niedergelassenen Ärzte dieses Angebot nicht machen, stehen die Krankenkassen, "Dr.Ed" und weitere Anbieter schon in den Startlöchern.

Neben allgemeiner Beratung, Zweitmeinung oder Wundkontrollen werden sich im Laufe der Zeit sicher noch weitere Betätigungsfelder zeigen, in denen man die Online-Sprechstunde nutzen kann: Tumorkonferenzen, überregionale Videokonferenzen mit Spezialisten oder auch die arbeitsmedizinische Beratung für Mitarbeiter in Unternehmen wären denkbar, würden Zeit und Geld sparen und ärztliches Know-how optimieren.

Die Datensicherheit muss dabei eine ganz wichtige Rolle spielen und vom Anbieter garantiert werden. Mit genügend krimineller Energie ist sicher auch die Video-Online-Sprechstunde hackbar.

Man kann diese Technik in Zweifel ziehen und weiter machen wie bisher - oder aber sich dieser neuen Möglichkeiten öffnen, diese differenziert betrachten und nutzen, um so den Arbeitsalltag flexibler zu gestalten, ohne die ärztliche Beratungsqualität zu vernachlässigen.

Die Vergütungsmöglichkeit ist vom 1. Juli 2017 um drei Monate vorgezogen worden. Ein weiteres Indiz, aktuelle Technik nutzbar und auch liquidierbar zu machen. Und ganz nebenbei macht es auch noch Spaß.

Verfasser/in:
Dr. Micha Neubert
Hausarzt
Osnabrück



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