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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Praxis & Versorgung

Vergütung für Video­sprechstunde geregelt

Start der ersten telemedizinischen Anwendung, die in den Regelleistungs­katalog der GKV aufgenommen wurde, schon am 1. April 2017


 

Die Videosprechstunde kann als neue telemedizinische Leistung ab April und somit eher als vorgesehen durchgeführt werden. KBV und GKV-Spitzenverband haben sich im Bewertungsausschuss auf eine Vergütungsregelung geeinigt und eine entsprechende Anpassung des EBM beschlossen.

Nunmehr steht auch fest, bei welchen Krankheitsbildern eine Videosprechstunde zur Verlaufskontrolle in Frage kommt. Zudem wurden die Arztgruppen festgelegt, die die Videosprechstunde einsetzen und abrechnen können. Bereits im November vorigen Jahres hatten sich KBV und GKV-Spitzenverband auf die technischen Anforderungen für die Praxis und den Videodienst geeinigt (Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte). Auf dieser Grundlage wurde nunmehr die Anpassung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) vorgenommen.

Demnach wird die Videosprechstunde als Form des "anderen Arzt-Patienten-Kontaktes" definiert und für die unten aufgeführten Fachgruppen in den EBM aufgenommen. Damit sind Videosprechstunden, wie andere Gespräche und Telefonate, Inhalt der Pauschalen und nicht gesondert berechnungsfähig. Berechnungsfähig sind hingegen die mit der Videosprechstunde zusammenhängenden Kosten als sogenannter "Technikzuschlag" sowie bei ausschließlicher Erbringung einer Videosprechstunde im Behandlungsfall die "Videosprechstunde in Quartalen ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt". Den beiden neuen Leistungen gemein ist, dass die Videosprechstunde zum Zweck der Beratung und der Verlaufskontrolle bei Patienten mit definierten Anlässen auf Initiative des Patienten erfolgt. Darüber hinaus kann bei Gebührenordnungspositionen, deren Berechnung drei oder mehr persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzt (02310, 07310, 07311, 07330, 07340, 10330, 18310, 18311, 18330 und 18340) einer dieser persönlichen Arzt-Patienten-Kontakte auch als Arzt-Patienten-Kontakte im Rahmen einer Videosprechstunde erfolgen.

Persönlichen Kontakt durch Videosprechstunde ersetzen


Außerdem wurde vereinbart, dass für eine Reihe von Gebührenordnungspositionen, die mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzen, einer dieser Kontakte auch im Rahmen einer Videosprechstunde stattfinden kann. Dies gilt unter anderem für die Behandlung von Wunden, eines Decubitus und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Anlässe für eine Videosprechstunde


Für eine Videosprechstunde sind aus Sicht des Bewertungsausschusses nicht alle Krankheitsbilder geeignet, weshalb die Leistung zunächst nur für bestimmte Indikationen vergütet wird (siehe Kasten auf S. 34). Grundlage für die Festlegung der Krankheitsbilder waren Erfahrungsberichte aus verschiedenen Pilotprojekten. Zudem schreibt der Gesetzgeber vor, dass Videosprechstunden nur für Verlaufskontrollen bei bekannten Patienten gefördert werden sollen. Eine Erweiterung des Leistungsspektrums ist vorgesehen.

Anforderungen an Videodienstleister


Ärzte, die Videosprechstunden anbieten wollen, bedienen sich eines Videodienstanbieters. Für die Durchführung einer Videosprechstunde sind die in Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag definierten technischen Anforderungen zu erfüllen. Die Erfüllung der Voraussetzungen ist durch eine Erklärung des Videodienstanbieters für die Arztpraxis gegenüber der KV nachzuweisen, z. B. durch eine Rechnung.

Der Videodiensteanbieter muss über entsprechende Sicherheitsnachweise verfügen. So muss die Videosprechstunde während der gesamten übertragung nach dem Stand der Technik Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Ferner ist festgelegt, dass die apparative Ausstattung der Praxis und die elektronische Datenübertragung eine angemessene Kommunikation mit dem Patienten gewährleisten müssen. Näheres ist in der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte geregelt.

Im E-Health-Gesetz war vorgesehen, dass Videosprechstunden ab 1. Juli 2017 finanziell gefördert werden. Durch den frühzeitigen Vertragsabschluss zur Vergütung kann das neue Angebot bereits drei Monate eher an den Start gehen.

Technik- und Förderzuschlag von bis zu 800 Euro


Für Videosprechstunden erhalten Praxen bis zu 800 Euro jährlich pro Arzt. Ab April gibt es für jede Videosprechstunde einen Technikzuschlag von 4,21 Euro (GOP 01450, Bewertung: 40 Punkte). Dieser wird für bis zu 50 Videosprechstunden im Quartal gezahlt, auch mehrmals im Behandlungsfall.

Diese Mittel - bei vier Videosprechstunden pro Woche - dienen zur Hälfte zur Deckung der Kosten, die durch die Nutzung eines Videoanbieters anfallen; die andere Hälfte der Förderung von Videosprechstunden.

Der Bewertungsausschuss geht davon aus, dass eine Kostendeckung bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche erreicht ist. Die Lizenzgebühren für Videodienste liegen aktuell bei etwa 100 Euro im Quartal.


Verfasser/in:

KBV



KVN




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Das sind die neuen GOPen für die Videosprechstunde im überblick:

GOP 01439 (88 Punkte): "Videosprechstunde in Quartalen ohne Arzt-Patienten-Kontakt", einmal im Behandlungsfall.
Die GOP 01439 ist von Inhalt, Struktur und Bewertung vergleichbar mit der bestehenden GOP 01435 (Haus-/Fachärztliche Bereitschaftspauschale). Sie kann für die Betreuung eines Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde berechnet werden, sofern im Behandlungs- oder Arztfall kein persönlicher Arzt-Patienten- Kontakt stattfindet und die Kontaktaufnahme durch den Patienten zum Zweck mindestens einer der im obligaten Leistungsinhalt genannten Verlaufskontrollen und einer diesbezüglichen Beratung erfolgt. Weitere Voraussetzung ist, dass in einem der beiden Quartale, die der Berechnung unmittelbar vorausgehen, ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt in der Praxis stattgefunden hat und die Verlaufskontrolle durch dieselbe Praxis erfolgt wie die Erstbegutachtung.
Die Vergütung erfolgt in der MGV. Hintergrund für diese Entscheidung ist, dass durch den Wegfall von Versicherten- und Grundpauschalen bei diesen Patienten Einsparungen erzielt werden, die jedoch nicht bereinigt werden.

GOP 01450 (40 Punkte): "Technikzuschlag", je Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde.
Die GOP 01450 vergütet die Kosten, die durch die Nutzung eines Videodienstanbieters entstehen. Sie kann je Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde gemäß Anlage 31b zum BMV-Ä (also auch mehrfach im Behandlungsfall; bei mehr als einer Inanspruchnahme derselben Betriebsstätte an demselben Tag sind die Uhrzeitangaben erforderlich) berechnet werden, sofern die Kontaktaufnahme durch den Patienten zum Zweck mindestens einer der im obligaten Leistungsinhalt genannten Verlaufskontrollen und einer diesbezüglichen Beratung erfolgt.
Die GOP 01450 unterliegt einer Punktzahlobergrenze je Arzt und Quartal in Höhe von 1.899 Punkten (ca. 200 Euro), bis zu der alle gemäß der GOP 01450 durchgeführten Leistungen im Quartal zu vergüten sind.
Die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Nach zwei Jahren wird die überführung in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) geprüft.

Fachgruppen
Die neuen GOPen 01439 und 01450 können von folgenden Fachgruppen abgerechnet werden:
- Hausärzte
- Kinder- und Jugendmediziner
- Anästhesisten
- Augenärzte
- Chirurgen
- Gynäkologen
- HNO-Ärzte
- Dermatologen
- hausärztliche Internisten
- Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen
- Nervenärzte
- Neurochirurgen
- Neurologen
- Orthopäden
- Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie
- Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie
- Strahlentherapeuten
- Urologen
- Fachärzte für Physikalische, Rehabilitative Medizin
- fachärztliche Internisten ohne Teilgebiet
- Hämatologen
- Rheumatologen
- Gastroenterologen
- Angiologen
- Endokrinologen
- Pneumologen
- Nephrologen
- Kardiologen.

Indikationen
Videosprechstunden können bei folgenden Anlässen durchgeführt werden:
- Visuelle postoperative Verlaufskontrolle einer Operationswunde
- Visuelle Verlaufskontrolle einer/von Dermatose(n), auch nach strahlentherapeutischer Behandlung
- Visuelle Verlaufskontrolle einer/von akuten, chronischen und/oder offenen Wunden
- Visuelle Beurteilung von Bewegungseinschränkungen/-störungen des Stütz- und Bewegungsapparates, auch nervaler Genese, als Verlaufskontrolle
- Beurteilung der Stimme und/oder des Sprechens und/oder der Sprache als Verlaufskontrolle
- Anästhesiologische, postoperative Verlaufskontrolle


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