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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Qualitätsmanagement

Kommunikation im Krankenhaus: Sollbruchstelle oder Chance?

Das KoPM®-Modell der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg dient der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegenden


 

Natürlich steht der Patient im Mittelpunkt der Krankenhausbehandlung - so jedenfalls das Mantra aller Berufsgruppen, die Beiträge zur medizinischen und pflegerischen Versorgung der Krankenhauspatienten leisten. Und wenn alle bereitwillig miteinander kommunizieren, dann funktioniert das auch. Oder?

Wie steht es wirklich um die Kommunikation der Hauptbeteiligten, insbesondere der Ärzte und der Pflegenden? Ärzte, andere Therapeuten, Pflegende und eine Vielzahl von Service- und Unterstützungsfunktionen leisten - zusammengehalten durch ein geheimnisvolles Netz von Routinen, Einzelabsprachen, Gewohnheiten, Weisungen, formalen und informellen Kompetenzen, Aushandlungsprozessen und Kriseninterventionen - Beiträge zur Behandlung des Patienten. Auch Insider wundern sich darüber, dass dieses zunehmend komplexer werdende System der Patientenbehandlung immer noch einigermaßen funktioniert.

Doch die Friktionen nehmen zu. Der medizinische Fortschritt bei immer älteren und kränkeren Patienten führt unter ökonomischem Druck zu einer deutlichen Verweildauerreduzierung, die die Prozesse beschleunigt, den Arbeitsdruck erhöht und Kommunikationszeiten begrenzt. Die Akteure im Bereich Medizin und Pflege bemerken das und schauen im Zeitalter des Fachkräftemangels und des Interesses für Work-Life-Balance zunehmend kritisch auf die Arbeitsbedingungen, die das Krankenhaus ihnen bietet. Und die Institution Krankenhaus tut sich nach wie vor schwer damit, aktives Human Ressource Management zu betreiben, berufsgruppenbezogene Egoismen zu überwinden und Arbeitsprozesse gleichermaßen qualitativ hochwertig, effizient wie auch den Interessen der Akteure entsprechend zu gestalten.

Hier setzt das KoPM®-Modell als Reformkonzept für interprofessionelle Kooperation im Krankenhaus an. Die häufigen personellen Wechsel in den patientenbezogenen Zuständigkeiten von Ärzten und Pflegenden und damit auch die weitgehende Nichtzuständigkeit für einzelne Patienten wird durch die Schaffung von stabilen Kernteams aus Arzt und Pflegekraft ersetzt, das Ansprechpartner für den Patienten ist und den Behandlungsprozess steuert. Besonders kompetente Pflegende übernehmen in diesem Kernteam erweiterte Aufgaben im Medizinprozess und managen den Behandlungs- und Versorgungsprozess. Diese Neuordnung der Kooperation klärt und strukturiert die Aufgaben, reduziert Wartezeiten und Unklarheiten und verbessert das Klima.

Natürlich stellt sich ein derartiges Modell nicht von selbst ein. Hierzu bedarf es des Willens auf beiden Seiten, überkommene Vorbehalte zu überwinden und die Kernelemente einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Arztdienst und Pflegedienst gemeinsam festzulegen. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der kooperativen Visite zu, in der patientenbezogene wichtige Entscheidungen fallen und kommuniziert werden. Ein Prüfstein für die Ernsthaftigkeit der Kommunikationsverbesserung ist die Verbindlichkeit, mit der es gelingt, dass Ärzte die vereinbarten Zeitkorridore für die kooperative Visite einhalten und dass kompetente, die Situation des Patienten überblickende Pflegende aktiv und kontinuierlich an Visiten teilnehmen.


Verfasser/in:
Prof. Dr. Knut Dahlgaard
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg




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Kommunikation im Krankenhaus: Sollbruchstelle oder Chance? wird auch das Thema des diesjährigen interprofessionellen 14. ZQ-Forums Patientensicherheit & Risikomanagement am 16. Juni 2017 im Ärztehaus Hannover sein. Neben dem Autor des obigen Artikels als Key note speaker wird auch das Team aus dem Clementinenhaus einen wichtigen Beitrag zu der Veranstaltung leisten und zur praktischen Umsetzung des Modells Rede und Antwort stehen. Weitere Beiträge werden sein: Teamtrainings, Fehlermelden in den Niederlanden, M&M-Konferenzen und Whistleblowingsysteme in deutschen Krankenhäusern. Das ausführliche Programm finden Sie unter http://www.aekn.de/zq/ oder in dieser Ausgabe unter "Veranstaltungen".



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