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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

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Kooperationsprojekt: Medizin- und Pharmaziestudierende lernen gemeinsam


 

Hannover. Neue Wege beschreiten das Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und die Apothekerkammer Niedersachsen. In einem Pilotprojekt besprechen und beraten Medizinstudierende im PJ-Tertial Allgemeinmedizin und Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) gemeinsam konkrete Patientenfälle.

Der Hintergrund ist, dass der Austausch zwischen Arzt und Apotheker im Alltag allzu oft nur über formale Probleme stattfindet: Ein Formfehler auf dem Rezept oder eine Frage zur Dosierung muss geklärt werden. Noch viel zu selten tauschen sich Arzt und Apotheker direkt und inhaltlich über die Arzneimitteltherapie ihrer Patienten aus. Das wollen die Allgemeinmediziner an der MHH und die Apothekerkammer Niedersachsen gerne ändern. Durch gemeinsame Fortbildungen der Studierenden beider Fachbereiche werden gegenseitige Kompetenzen wahrgenommen und frühzeitig Netzwerke geknüpft. Davon profitieren wird der Patient. Schließlich verfolgen beide Heilberufe das gemeinsame Ziel, die Sicherheit der Arzneimitteltherapie zu verbessern.

Seit dem Start des Projekts im Dezember 2015 sind insgesamt vier gemeinsame Seminare durchgeführt worden. Vormittags lernen sich die Teilnehmer kennen und schildern ihre aktuelle Situation im PJ Allgemeinmedizin beziehungsweise Pharmazeutischen Praktikum. In einem Einführungsvortrag erklärt Apotheker Dr. Zörner (Munster) dann die gesetzlichen Bestimmungen, mit denen die Arzneimittelversorgung geregelt ist. Außerdem stellt er mit der Medikationsanalyse "Athina - Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken" eine Methode für einen Medikationscheck bei Patienten vor, die regelmäßig mehr als fünf rezeptpflichtige Medikamente einnehmen. Mit Athina schult die Apothekerkammer Niedersachsen Apotheker in der systematischen Erfassung der Medikation und der Erkennung arzneimittelbedingter Probleme. Ergänzend wird die Schnittstelle "Apotheke-Hausarzt" aus hausärztlicher Sicht beleuchtet.

Am Nachmittag analysieren die Studierenden unter (haus-) ärztlicher und pharmazeutischer Anleitung Patientenfälle, die die PJler aus ihren Praxen mitbringen, und diskutieren dabei Krankengeschichte, Indikationen, Verordnungen und Dosierungen. Die Wahrnehmung der hausärztlichen Seite mit "erlebter Anamnese" bei multimorbiden Patienten und der damit einhergehenden Problematik in der Medikation auf der einen und das Fachwissen der angehenden Apotheker über mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Dosierungen auf der anderen Seite ergänzen sich und bieten Raum für konstruktiven Austausch.


Das Projekt entstand in Zusammenarbeit des Teams am Institut für Allgemeinmedizin der MHH (Direktor: Professor Dr. med. Nils Schneider) mit der Apothekerkammer Niedersachsen (Präsidentin Magdalene Linz). Am Institut für Allgemeinmedizin knüpft es an den Forschungsschwerpunkt geriatrische Versorgung und Multimedikation an. Weitere gemeinsame Lehreinheiten sind in Planung, um auch zukünftigen PJlern und Pharmazeuten im Praktikum den Austausch zu ermöglichen.

Verfasser/in:
PD Dr. med. Jutta Bleidorn
Institut für Allgemeinmedizin der MHH




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