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nä 04/2017
aktualisiert am: 15.04.2017

 

  Editorial

Komfort-Sprechstunde via Skype?


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

kaum ein Fach- oder Publikumsmedium hat in den vergangenen Wochen nicht über die Videosprechstunde berichtet. Fast könnte man glauben, die Videosprechstunde revolutioniert das deutsche Gesundheitswesen. Ganz so weit ist es noch nicht. Dennoch wird mit der Videosprechstunde erstmals eine telemedizinische Leistung in die Regelversorgung aufgenommen. Die technischen Anforderungen an die Video-Sprechstunde sind definiert, die EBM-Positionen stehen fest.

Telemedizin ist ein herausragendes Beispiel für das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Online-Sprechstunden oder Tele-Monitoring können die Versorgung kranker Menschen deutlich verbessern, den niedergelassenen Arzt und seine Patienten entlasten und dabei auch noch die Kosten im Gesundheitswesen senken. Was sind die Vorteile? Der Zugang zu räumlich weit entfernten Ärzten wird erleichtert. Online-Sprechstunden versprechen reduzierte Wartezeiten. über entsprechende mobile Kommunikationslösungen können Diagnosen bei erkrankten Patienten schneller gestellt werden.

Soweit die Theorie. Denn die telemedizinische Zeitenwende wird wohl auf sich warten lassen. Die Bezahlung der Videosprechstunde ist mangelhaft. Die im besten Fall gerade einmal 800 Euro im Jahr werden kaum die Kosten für das Vorhalten der technischen Einrichtung abdecken. Zudem ist der Zeitaufwand im Vergleich zur Telefonsprechstunde ungleich höher. Und eine ganze Serie einschränkender Abrechnungsbestimmungen wird dafür sorgen, dass die Videosprechstunde vorerst eine Ausnahme bleiben wird. Ohnehin sind die Anforderungen an die Datensicherheit so hoch, dass es noch gar keinen Videodienstanbieter gibt, der für die Online-Sprechstunde zertifiziert ist. So ist die digitale Revolution nicht arbeitstauglich!

Telemedizin wird nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Ärztemangel schnell an Bedeutung gewinnen. Die neue Technik muss allen etwas bringen, nicht nur der Industrie. Der Nutzen für Arzt und Patient muss klar erkennbar sein. Telemedizin darf nicht zum Minusgeschäft für die Ärzte werden! Was wir brauchen, sind adäquate Vergütungen, die die Investitionen berücksichtigen und eine Technik, die die Arztpraxis merklich entlastet und nicht belastet. Erst wenn unter dem Strich ein Plus in Geld und Zeit übrig bleibt, wird die digitale Revolution Fahrt aufnehmen.

Mit freundlichen Grüße

Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der KVN

Dr. Jörg Berling
Stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN

Verfasser/in:
Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Berliner Allee 22, 30175 Hannover

Dr. med. Jörg Berling
Stellvertr. Vorstandsvorsitzender der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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